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Corona-Schutzimpfung in Arztpraxen – Ablauf und Aufklärung

Was es bei der Corona-Schutzimpfung für Hausärztinnen und Hausärzte zu beachten gilt, wie Patientinnen und Patienten richtig aufgeklärt werden und wie die Impfung in den Praxisalltag integriert werden kann, haben wir hier zusammengestellt.

Organisation und Aufklärung

Gibt es genaue Vorschriften wie Ärztinnen und Ärzte das Impfen in den Arztpraxen organisieren?

Wie und in welchem Umfang Corona-Schutzimpfungen in den Praxisablauf integriert werden können, legt jede Ärztin und jeder Arzt individuell fest. Die Größe der Praxis, die personellen und räumlichen Gegebenheiten sowie der Umfang der für die Praxis zur Verfügung stehenden Impfstoffe spielen dabei ganz von Fall zu Fall eine Rolle.

Es empfiehlt sich, gerade zum Start etwas mehr Zeit für die Vorbereitung des Impfstoffes einzuplanen. Der Hersteller und die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellen dazu Informationen bereit.

Stand: 04.06.2021  

Wie organisieren Ärztinnen und Ärzte in Hausarztpraxen die Terminvergabe?

 

Die Terminvergabe, beispielsweise per Telefon oder über eine digitale Terminbuchungsmöglichkeit, regeln die Praxen selbst. Die Ärztinnen und Ärzte können ihre Patientinnen und Patienten auch gezielt ansprechen.

Folgende Punkte sollten Ärztinnen und Ärzte bei der Terminplanung bedenken:

  • Sie sollten vorsorglich so viele Patientinnen und Patienten einbestellen, wie Impfstoff für die Woche geordert wurde und flexibel planen, solange der Impfstoff knapp ist. 
  • Insbesondere in der Anfangszeit war es möglich, dass Termine abgesagt werden müssen, weil weniger Dosen als bestellt geliefert wurden.
  • Am 7. Juni 2021 wurde für die Corona-Schutzimpfung bundesweit die Priorisierung aufgehoben. Die Regelung gilt auch für Arztpraxen sowie für Betriebsärztinnen und -ärzte. Es obliegt den Ärztinnen und Ärzten zu entscheiden, in welcher Reihenfolge sie ihre Patientinnen und Patienten impfen.
  • Bei der Terminvergabe ist zu bedenken, dass die Zweitimpfung in einem bestimmten zeitlichen Abstand zur Erstimpfung erfolgen muss. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt aktuell zwischen Erst- und Zweitimpfung bei den Impfstoffen Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna jeweils 3-6 bzw. 4-6 Wochen und bei Vaxzevria® von AstraZeneca 9-12 Wochen. Für Personen, die Vaxzevria® von AstraZeneca als erste Impfstoffdosis erhalten haben, empfiehlt die STIKO unabhängig vom Alter einen mRNA-Impfstoff (Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna oder Comirnaty® von BioNTech/Pfizer ) als zweite Impfstoffdosis mit mindestens vierwöchigem Impfabstand zur ersten Impstoffdosis. Eine Zweitimpfung mit dem Impfstoff von Vaxzevria® von AstraZeneca ist – bei Personen zwischen 18 und 59 Jahren nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz der zu impfenden Person – weiterhin möglich.
  • Zu der Bestellart von Erst- und Zweitimpfungen finden Sie hier mehr Informationen.

Stand: 05.07.2021

 

Wer hat Anspruch auf die Corona-Schutzimpfung?

Laut der Coronavirus-Impfverordnung kann sich jede in Deutschland wohnhafte oder beschäftigte Person kostenfrei impfen lassen, unabhängig von ihrer Krankenversicherung.

Seit dem 7. Juni 2021 gelten die Priorisierungsregeln für die Corona-Schutzimpfung bei Vertrags-, Betriebs-, Privatärztinnen und -ärzten sowie in den Impfzentren bundesweit nicht mehr. Für eine Übergangsphase können die Länder die Priorisierung in den Impfzentren jedoch noch aufrecht erhalten.

Termine zur Durchführung von Schutzimpfungen, die aufgrund der früheren Priorisierung vereinbart wurden, bleiben bestehen. In der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung wurde eine entsprechende Bestandsschutzregel aufgenommen. 

Die Impfstoffe können entsprechend ihrer arzneimittelrechtlichen Zulassung eingesetzt werden. Arztpraxen und gegebenenfalls Betriebsärztinnen und Betriebsärzte rechnen die Leistungen nach der Impfverordnung mit ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab, unabhängig davon, ob die jeweilige Ärztin oder der Arzt an der vertragsärztlichen Versorgung teilnimmt oder ob die geimpfte Person gesetzlich krankenversichert ist. Informieren Sie sich dazu bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die notwendigen Kosten für den laufenden Betrieb von Impfzentren einschließlich der mobilen Impfteams, die von den Ländern oder im Auftrag der Länder errichtet, vorgehalten oder betrieben werden, werden mindestens bis zum 30. September 2021 zu einem Teil aus Bundesmitteln finanziert. 

Stand: 15.07.2021

Wie entscheiden Ärztinnen oder Ärzte, welche Patientinnen und Patienten zuerst geimpft werden können?

Seit dem 7. Juni 2021 gelten die Priorisierungsregeln für die Corona-Schutzimpfung bei Vertrags-, Betriebs-, Privatärztinnen und -ärzten sowie in den Impfzentren bundesweit nicht mehr. Für eine Übergangsphase können die Länder die Priorisierung in den Impfzentren jedoch noch aufrecht erhalten.

Zudem haben Ärztinnen und Ärzte die Flexibilität, auf Basis der Coronavirus-Impfverordnung nach ärztlicher Einschätzung vor Ort selbst zu entscheiden, wer wann geimpft wird, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist – vor allem, wenn damit ein Verwurf von Impfstoffen vermieden wird.

Stand: 13.07.2021 

 

Wie läuft die Impfaufklärung vor der Corona-Schutzimpfung genau ab? Was sollten Ärztinnen und Ärzte beachten?

Die Aufklärung ist ein wichtiger Teil der Impfleistung. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, die zu impfende Person oder die vertretungsberechtigte Person über die Vorteile und Risiken vorab zu informieren. So können Ärztinnen und Ärzte vorgehen:

Aushändigung des Aufklärungsmerkblattes für entweder mRNA- oder vektorbasierte Impfstoffe

  • Die Aufklärung über die Corona-Schutzimpfung erfolgt insbesondere vor der ersten Impfung. Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt dafür bundesweit einheitliche Aufklärungsmerkblätter zu den Impfstoffen als druckfähige PDF-Dateien zur Verfügung.
  • Geben Sie der zu impfenden Person oder der gesetzlichen Vertretungsperson das Aufklärungsmerkblatt zu lesen.
  • Die Dokumente werden fortlaufend dem aktuellen Impfgeschehen angepasst und sind auch in mehreren Fremdsprachen und leichter Sprache hier abrufbar.

Das Aufklärungsgespräch

  • Der zu impfenden Person ist Gelegenheit zu geben, Fragen und Unklarheiten zur Impfung mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Ein Aufklärungsgespräch ist aber nicht zwingend erforderlich; die zu impfende Person kann auch auf das ärztliche Aufklärungsgespräch verzichten, wenn sie sich hinreichend informiert fühlt.

Impffähigkeit feststellen

  • Ärztinnen und Ärzte sollten sich überzeugen, dass die zu impfende Person aktuell impffähig ist.
  • Eine Anamnese ist vor allem dann erforderlich, wenn die Ärztin oder der Arzt die Person nicht kennen, weil sie zum ersten Mal die Praxis aufsucht. Hierfür kann der Anamnesebogen genutzt werden, den das RKI auf seiner Internetseite bereitstellt oder den Sie hier herunterladen können.
  • Bei bekannten Patientinnen und Patienten kennen die Ärztinnen oder Ärzte in aller Regel den Gesundheitszustand und die Daten sind bereits in der Patientinnen- oder Patientenakte dokumentiert; eine erneute Anamnese ist dann nicht erforderlich. Auch bei diesen Personen muss die Impffähigkeit aber zumindest im Hinblick auf akute Infektionen etc. geprüft werden.

Einwilligung der zu impfenden Person

  • In der Patientinnen- oder Patientenakte wird dokumentiert, dass die zu impfende Person aufgeklärt wurde und in die Impfung eingewilligt hat.
  • Eine schriftliche Einwilligung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber sinnvoll. Dazu kann das Aufklärungsmerkblatt oder das Muster des RKI für eine Einwilligungserklärung verwendet und von der zu impfenden Person unterschrieben werden. Auch eine formlose Einwilligungserklärung ist möglich.

Stand: 30.06.2021

Wie dokumentieren Ärztinnen und Ärzte die Corona-Schutzimpfung?

Wie alle Impfungen wird auch die Corona-Schutzimpfung im Impfausweis dokumentiert. Personen ohne Impfausweis können eine Ersatzbescheinigung zur Corona-Schutzimpfung erhalten.

Zusätzlich wurde nun auch schrittweise der digitale Impfnachweis eingeführt, mit dem Corona-Impfungen digital auf dem Smartphone dokumentiert werden können. Der digitale Impfnachweis wird in der Arztpraxis oder in einem Impfzentrum generiert. Nach Eingabe oder Übernahme der Daten wird ein 2D-Barcode erstellt, den die Nutzerinnen und Nutzer auf einem Papierausdruck mitbekommen und später mit der CovPass-App oder der Corona-Warn-App einscannen und nutzen können. Die App speichert die Impfbescheinigung nur lokal auf dem Smartphone. Mehr Informationen zum digitalen Impfnachweis finden Sie hier.

Stand: 15.06.2021

Wo finden Ärztinnen und Ärzte Informationen für die Impfung-Aufklärung in weiteren Sprachen?

Mit der Appaidminutes.impfen“ steht Ärztinnen und Ärzten eine mehrsprachige Kommunikationshilfe für die Corona-Schutzimpfung zur Verfügung. Die App wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Informationen finden Sie dazu hier.

Zusätzlich stehen die Aufklärungsmerkblätter zur Corona-Schutzimpfung auf verschiedenen Sprachen auf der Website des Robert Koch-Instituts bereit. Hier finden Sie die Aufklärungsmerkblätter für die Impfung mit mRNA-Impfstoffen und hier für die Impfung mit einem Vektor-Impfstoff.

Stand: 11.06.2021

 

Gibt es Nebenwirkungen und Risiken? Inwieweit haften impfende Ärztinnen und Ärzte für Impfschäden?

Infos zu Nebenwirkungen und Impfreaktionen der zugelassenen Impfstoffe finden Sie hier.

Für das Melden von Nebenwirkungen nutzen Praxen die gewohnten Wege:

  • Meldung an das Gesundheitsamt: Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht eine namentliche Meldepflicht einer sogenannten unerwünschten Arzneimittelwirkung (UAW) an das jeweilige Gesundheitsamt. Dieses leitet die Meldung weiter an die zuständige Landesbehörde und an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).
  • Meldung an die Arzneimittelkommission: Zudem haben Ärztinnen und Ärzte die berufsrechtliche Verpflichtung zur Meldung von Nebenwirkungen an die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Diese leitet die Meldung pseudonymisiert an das PEI weiter. Die entsprechenden (Online-)Formulare sowie weitere Infos finden Sie hier.
  • Meldung an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder an das PEI: Angehörige der Gesundheitsberufe, das heißt auch Apotheker, werden nach dem Arzneimittelgesetz ausdrücklich aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.
  • Meldung an Angehörige der Gesundheitsberufe oder direkt an das BfArM oder PEI: Möglichkeit für Patientinnen und Patienten Nebenwirkungen mitzuteilen oder in das Portal des BfArM oder PEI einzugeben.
  • Mitteilung an das PEI mittels Smartphone App: Möglichkeit der Mitteilung (anonym) zur Verträglichkeit der COVID-19-Impfstoffe auf freiwilliger Basis für geimpfte Personen ab 18 Jahren. Mehr dazu haben wir auch hier zusammengestellt.

In Bezug auf Haftungsregelungen gilt:

  • Die Haftung gegenüber Geimpften für schädliche Wirkungen eines Impfstoffes richtet sich nach den allgemeinen Regeln. Je nach Fallgestaltung kommt eine Haftung u.a. des pharmazeutischen Unternehmens in Betracht. Haftungsregelungen können sich ergeben aus dem Arzneimittelrecht, dem Produkthaftungsgesetz sowie den allgemeinen Haftungsregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs.
    Für den pharmazeutischen Unternehmer, der zulassungspflichtige Impfstoffe in Verkehr bringt, gilt die in den §§ 84 ff. des Arzneimittelgesetzes (AMG) spezialgesetzlich geregelte Gefährdungshaftung. Danach haftet der pharmazeutische Unternehmer u.a., wenn das Arzneimittel bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen hat, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen.
    Daneben finden für pharmazeutische Unternehmer die allgemeinen Haftungsregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs Anwendung.
    Für die Haftung für mögliche Fehler des medizinischen Personals in Impfzentren kommt es auf die konkrete rechtliche Ausgestaltung der Impfzentren an, die den Ländern obliegt. Das Personal in Impfzentren dürfte in der Regel in Ausübung eines öffentlichen Amts (oder als sog. Beliehene oder Verwaltungshelfer) handeln. Daher kommt eine sog. Staatshaftung in Betracht.
    Geht man demgegenüber von einem privatrechtlichen Vertragsverhältnis zwischen der geimpften Person und dem Träger des jeweiligen Impfzentrums aus, könnte eine Haftung des Trägers des Impfzentrums insbesondere auf vertraglicher Grundlage für Fehler der in seinem Auftrag impfenden Personen (Erfüllungsgehilfe) in Betracht kommen. Eine Haftung des impfenden Arztes könnte ferner auf Grund behandlungsvertraglicher Regelungen oder nach dem sog. Deliktsrecht in Betracht kommen.
  • Die staatliche Entschädigung für Impfschäden – dies sind nach der Impfung über das übliche Ausmaß der Impfreaktionen hinausgehende Gesundheitsschädigungen – ist im IfSG geregelt.
  • Es gelten die allgemeinen ärztlichen Sorgfalts- und Aufklärungspflichten.

Stand: 13.04.2021