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Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
16:59 · 7. Mai 2021

So sicher sind die Impfstoffe gegen das Coronavirus

Innerhalb weniger Monate haben verschiedene Biotechnologieunternehmen weltweit Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Warum diese trotz der rasanten Entwicklung sicher sind, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Rettet Menschenleben: die Corona-Impfstoffe.

Weltweite Forschungserfolge  

Normalerweise können 15 bis 20 Jahre vergehen bis Hersteller einen Impfstoff bis zur Marktzulassung bringen. Im aktuellen Fall der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus ging – und geht – es schneller. Dies liegt auch daran, dass Expertinnen und Experten über neue Technologien verfügen und auf Erkenntnissen aus anderen Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren aufbauen konnten. 

In einem Kraftakt ohnegleichen haben Forscherinnen und Forscher weltweit zeitgleich daran gearbeitet, Impfstoffe zu entwickeln, ihre Forschungsergebnisse zum Erreger miteinander geteilt und sich früh über Daten zur Entwicklung, Wirksamkeit und Sicherheit mit den zuständigen Behörden beraten. Ein derartig internationales wissenschaftliches Zusammenwirken gab es vor dieser Pandemie noch nie. Mehrere Unternehmen haben so in kurzer Zeit erfolgreiche Impfstoffkandidaten entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit den Behörden zur Zulassung gebracht. 

Deutschlands Impfstrategie

Seit Dezember 2020 wird in Deutschland gegen COVID-19 geimpft. Ein wichtiger Schritt, um den Weg aus der Pandemie zu ebnen und Menschenleben zu retten. Denn wenn circa 70 Prozent der Bevölkerung immun sind, verringert sich das Infektionsgeschehen so stark, dass die Pandemie zu einem Ende kommen kann.

Zwar ist davon auszugehen, dass ein Teil der Bevölkerung bereits einen Immunschutz durch eine überstandene Infektion hat. Klar ist jedoch: Je mehr Menschen geimpft werden, desto schlechter kann sich das Virus ausbreiten – und desto mehr Erkrankungen, die schwere und tödliche Verläufe haben können, lassen sich verhindern. Neben dem Schutz vor einem schweren COVID-19-Krankheitsverlauf bietet die Corona-Schutzimpfung einen weiteren Vorteil: Auf Basis der bisher vorliegenden Daten ist anzunehmen, dass die Virusausscheidung bei Personen, die vollständig geimpft sind und sich danach mit dem Coronavirus infizieren, stark reduziert ist. Das bedeutet, dass auch das Übertragungsrisiko vermindert ist. Dennoch sollten Geimpfte weiterhin die Infektionsschutzmaßnahmen einhalten, denn es muss davon ausgegangen werden, dass bei geimpften Menschen ein Restrisiko besteht, sich symptomatisch oder asymptomatisch zu infizieren und dann SARS-CoV-2 an Personen ohne vollständigen Impfschutz übertragen.

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Diese Impfstoffarten gibt es 

Expertinnen und Experten unterscheiden grundsätzlich drei Typen: Impfstoffe mit Vektorviren, Totimpfstoffe (Protein- oder inaktivierte Impfstoffe) sowie mRNA/DNA-Impfstoffe. Inwiefern sich diese voneinander unterscheiden, erklärt Prof. Dr. Marylyn Addo aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in diesem Video:

Forscherin Prof. Dr. med. Marylyn Addo über die unterschiedlichen Impfstoff-Typen

Die Corona-Impfstoffe in Deutschland

Mittlerweile sind in der Europäischen Union vier COVID-19-Impfstoffe zugelassen (siehe Infografik). Weitere aussichtsreiche Impfstoffkandidaten befinden sich in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Erprobung. Darunter sind auch Impfstoffe, für die bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bereits im Rahmen des Zulassungsverfahrens Unterlagen eingereicht werden oder ein Antrag auf Zulassung gestellt wurde.

Zugelassene COVID 19-Impfstoffe

Die aktuell zugelassenen Impfstoffe der Firmen Moderna, BioNTech/Pfizer und AstraZeneca werden in zwei Dosen verimpft, um eine ausreichende Immunität gegen das Virus zu erreichen. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson ist dagegen nur eine Impfdosis für einen umfassenden Schutz nötig. Ob – wie bei Influenza – eine Impfung jedes Jahr erfolgen muss, ist noch offen und wird im Rahmen klinischer Prüfungen weiter untersucht.

Bund und Länder haben vereinbart, dass bundesweit für die Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca keine Priorisierung mehr gilt. In den Arztpraxen können Impfungen mit diesem Impfstoff an alle Impfwilligen nach ärztlichem Ermessen erfolgen. Außerdem steht es der impfenden Ärztin bzw. dem impfenden Arzt in Absprache mit der zu impfenden Person frei, den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung bei dem Impfstoff von AstraZeneca im Rahmen des nach der Zulassung möglichen Zeitraums von 4 bis 12 Wochen individuell festzulegen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse einer steigenden Wirksamkeit bei einem möglichst langen Impfintervall sollten bei der ärztlichen Aufklärung berücksichtigt werden.

Das Wirkprinzip der Corona-Impfstoffe

Alle Impfstoffkandidaten basieren auf einem Grundprinzip: Sie präsentieren dem Immunsystem ein Merkmal des Coronavirus (Antigen), woraufhin der Körper Antikörper und Abwehrzellen gegen das Virus bildet. So entsteht eine schützende Immunantwort. Mehr über die Wirkweise der einzelnen Corona-Impfstoffe erfahren Sie in folgendem Video:

Dr. Anahita Fatih vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vergleicht die Impfstoffe hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit

So zeigt sich die Wirksamkeit der Impfstoffe in Studien*

*am Beispiel des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer

In der Impfstoffstudie von BioNTech/Pfizer wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe erhielt ein Placebo (Scheinpräparat) und die andere Gruppe erhielt den Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Dabei wussten die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer nicht, ob sie das Placebo oder den Impfstoff bekommen hatten.

Im Verlauf wurde dann beobachtet, wie viele von ihnen an COVID-19 erkrankten.

Dabei zeigte sich: Die Gruppe der COVID-19 Erkrankten bestand zu 95 Prozent aus Personen, die den Placebo-Impfstoff erhalten hatten und nur zu 5 Prozent aus den Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern, die den BioNTech/Pfizer-Impfstoff bekommen hatten.

Daraus kann man schließen, dass die Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff von BioNTech/Pfizer rund 95 Prozent der COVID-19 Erkrankungen verhindert hat.

Man spricht daher von einer Impfeffektivität von rund 95 Prozent.

Hohe Sicherheitsstandards in der EU

Jeder Impfstoff muss unbedenklich, sicher, wirksam und gut erprobt sein, bevor er eine Marktzulassung in der EU bzw. in Deutschland erhält. Diesen Nachweis muss der Hersteller in vorklinischen Untersuchungen und klinischen Prüfungen erbringen. Das Studienprogramm gliedert sich in drei Phasen:

Die drei Studienprogramm-Phasen der Corona-Impfstoffentwicklung

Phase I-Studien: Vor allem Sicherheit und Verträglichkeit von neuen Impfstoffentwicklungen werden während der ersten klinischen Prüfung am Menschen an einer kleinen Studienpopulation von weniger als 100 gesunden erwachsenen Personen untersucht. Daneben wird getestet, ob durch den Impfstoff eine gewünschte Immunreaktion hervorgerufen werden kann. Während der Corona-Pandemie wurden mehrere hundert Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer in die Studien eingeschlossen und Kombinationen mit klinischen Prüfungen der Phase II angeschlossen.

Phase II-Studien: Üblicherweise finden in dieser Phase Erhebungen zur Dosisfindung, Immunogenität und Verträglichkeit eines Impfstoffes an einer größeren Anzahl von Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmern statt (mehrere 100). Ziel ist, das Wissen zur Verträglichkeit und Immunreaktion (Bildung von Antikörpern und zellulärer Immunantwort) bei einzelnen Dosierungen näher zu untersuchen. Bei SARS-CoV-2 haben Expertinnen und Experten mehrere tausend Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer beteiligt. Kombinationen mit klinischen Prüfungen der Phase III wurden hier angeschlossen.

Phase III-Studien: Es erfolgen Untersuchungen zum klinischen Nachweis der Wirksamkeit vor einer COVID-19-Erkrankung und Sicherheit der Impfstoffe an mehreren tausend bis mehreren zehntausend Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmern verschiedener Altersgruppen.

In Deutschland erfolgt die Zulassung eines Impfstoffs nur dann, wenn er alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich durchläuft und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweist. Die nationalen und internationalen Qualitätsstandards gelten – wie bei allen anderen Impfstoff-Entwicklungen – auch bei der Zulassung einer Corona-Schutzimpfung.

Zulassung von Impfstoffen

Während der Pandemie wurde der Bewertungsprozess mit dem sogenannten Rolling-Review-Verfahren beschleunigt, um die Bevölkerung schneller vor schweren Krankheitsverläufen schützen zu können. Dabei finden notwendige Prozesse nicht nacheinander, sondern parallel bzw. kombiniert statt. Die Anforderungen an Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von COVID-19-Impfstoffen bleiben unverändert hoch. Man spricht hier von bedingten Zulassungen. Mehr über die hohen Qualitätsstandards bei der Impfstoffzulassung können Sie hier nachlesen.

Mögliche Nebenwirkungen

Impfreaktionen und weitere Nebenwirkungen können grundsätzlich bei allen Impfungen unabhängig vom Krankheitserreger oder Impfstoff auftreten. Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome sind in der Regel kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass der Körper auf die Impfung reagiert und Antikörper bildet. Folgende Grafik zeigt typische Impfreaktionen, die kurz nach der Corona-Schutzimpfung auftreten können und in der Regel nach wenigen Tagen wieder abklingen:

Impfungen können Reaktionen hervorrufen

Weitere Informationen zu Risiken und Nebenwirkungen haben wir zudem auf dieser Übersichtsseite für Sie zusammengestellt.

Für Deutschland erfasst das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach der Zulassung eines Impfstoffs zentral alle Nebenwirkungen und Impfreaktionen – unabhängig vom Hersteller. Durch das Zusammenfassen von nationalen und internationalen Beobachtungen stellen die beteiligten Behörden und pharmazeutische Unternehmen sicher, dass auch sehr seltene Risiken erfasst werden, die erst bei einer sehr großen Anzahl durchgeführter Impfungen sichtbar werden. Die Impfstoffe werden also auch nach der Zulassung weiter aktiv überwacht, um immer mehr Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu gewinnen und im Bedarfsfall schnell reagieren zu können. Um das Wissen über die Verträglichkeit des Impfstoffs zu erweitern, können Geimpfte ihre Symptome unter www.nebenwirkungen.bund.de oder die Smartphone-App "SafeVac 2.0" des Paul-Ehrlich-Instituts melden. Hier können Sie die App im Apple AppStore und hier im Google Play Store herunterladen.

Die Impfreihenfolge in Deutschland

Solange nicht ausreichend Impfstoff verfügbar ist, um alle Menschen gleichzeitig zu impfen, gilt in Deutschland die Impfreihenfolge. Das heißt zuerst werden diejenigen geimpft, die bei einer Coronavirus-Infektion besonders gefährdet sind – dazu gehören zum Beispiel ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Auch medizinisches Personal und weitere Berufsgruppen, die ein sehr hohes Risiko haben, sich oder schutzbedürftige Personen anzustecken, haben Priorität und werden früh geimpft.

Gut zu wissen: Die Corona-Schutzimpfung ist kostenlos, eine Impfpflicht gibt es nicht. 

Grafik Anspruchsgruppen der Corona-Schutzimpfung

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