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Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Wissen
06:42 · 16. Juni 2021

Wie gefährlich sind die Coronavirus-Varianten?

In den vergangenen Monaten haben sich mehrere Varianten des Coronavirus SARS-CoV-2 massiv verbreitet. Gerade die Virusvarianten Alpha und Beta treten weltweit vermehrt auf. Was bedeutet dies für die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe? Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mutationen: Strengere Einreiseregelungen notwendig

Wenn Viren in Körperzellen gelangen, vervielfältigen sie sich dort. Das heißt: Es entstehen unzählige Duplikate. Bei diesen Vorgängen passieren immer wieder kleine Kopierfehler (Virusvarianten) in der Erbinformation des Virus (Genom). Dabei handelt es sich um einen natürlichen Prozess bei dem durch Anhäufung mehrerer Varianten willkürlich neue Varianten mit charakteristischem Variantenprofil entstehen, die in den meisten Fällen zu keinen gravierenden Eigenschaftsveränderungen des Virus führen. Virusvarianten werden im Volksmund oft vereinfacht und irreführenderweise als Mutationen bezeichnet. Auch vor den neuen Virusvarianten ist das Coronavirus SARS-CoV2 bereits mutiert. Doch den neuen Formen gilt eine besondere Aufmerksamkeit, denn: Laboruntersuchungen sowie eine Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ergeben, dass sich einige Virusvarianten leichter von Mensch zu Mensch übertragen oder schwerere Krankheitsverläufe zur Folge haben.

Was wissen wir über die Corona-Mutation Alpha? 

Seit Herbst 2020 verbreitet sich die sogenannte Variante Alpha (B.1.1.7) des SARS-CoV-2-Virus im Vereinigten Königreich. Die Virusvariante hat sich in allen Landesteilen Großbritanniens verbreitet und macht dort den größten Teil aller erfassten SARS-CoV-2-Infektionen aus, da sie sich noch leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die bisher verbreiteten Formen. Weltweit hat sich diese Virusvariante rasant ausgebreitet. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt, liegt mittlerweile auch in Deutschland der Anteil der Infektionen mit der Variante Alpha bei über 90%.

Alpha weist eine erhöhte Reproduktionszahl sowie Viruslast auf. Nach bisherigen Erkenntnissen und Studien gibt es zudem Hinweise darauf, dass eine Infektion mit dieser Corona-Variante mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte. Weitere Untersuchungen werden ein klareres Bild über die veränderten Eigenschaften der Virusvariante zeichnen.

Was wissen wir über die Corona-Mutation Beta? 

Im Dezember 2020 wurde eine weitere Mutation auffällig – die sogenannte Virusvariante Beta aus Südafrika. Infektionen mit Beta werden zunehmend auch in Europa festgestellt. Der Anteil der Infektionen mit der Variante Beta liegt jedoch in Europa meist im einstelligen Bereich. In Südafrika ist die Virusvariante mittlerweile für die meisten Corona-Infektionen verantwortlich. Über diese Virusvariante aus Südafrika wurde ebenfalls erstmals im Dezember 2020 berichtet. Mehrere Studien weisen auch darauf hin, dass Menschen, die mit der ursprünglichen Variante infiziert waren oder einen auf dieser Variante beruhenden Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit Beta geschützt sind, denn die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, sind gegen das veränderte Virus weniger wirksam. Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert.

Was wissen wir über die Corona-Mutationen Delta und Kappa?

Die zuerst im Oktober 2020 in Indien im Bundesstaat Maharshtra detektierte Virusvariante B.1.617 wird in drei Linien unterteilt (B.1.617.1 (Kappa), B.1.617.2 (Delta) und B.1.617.3). Die Delta ist mittlerweile auch durch die WHO und das ECDC als besorgniserregende Variante (Variant of Concern (VoC)) eingestuft. Die Variante Kappa wurde außerhalb Indiens bereits in mehreren Ländern Asiens, Europas (insbesondere in Großbritannien), Nordamerika und Ozeanien nachgewiesen. In Großbritannien hat der Anteil von Delta in den vergangenen Wochen erheblich zugenommen. In einigen Regionen ist sie bereits vorherrschend. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Variante Delta mindestens so übertragbar wie Kappa. Schätzungen zufolge könnte die Variante aber sogar bis zu 50% ansteckender sein. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass eine Infektion mit dieser Virusvariante mit einer erhöhten Hospitalisierungsrate einhergehen könnte. Außerdem weisen Studien auf eine verminderte Wirksamkeit von neutralisierenden Antikörpern gegen B.1.617.2 hin, wodurch beispielsweise einige, auf monoklonalen Antikörpern basierende Therapeutika oder aber auch Impfstoffe, die auf dem Ursprungsvirus basieren, weniger wirksam sein könnten. Daten aus Großbritannien lassen allerdings vermuten, dass die Impfstoffwirksamkeit zumindest gegen symptomatische Infektionen nach 2 Impfstoffdosen wohl vergleichbar mit der Wirksamkeit gegen B.1.1.7 ist (Astra Zeneca und BioNTech/Pfizer).

Wo finde ich weitere Informationen über die Coronavirus-Varianten?

  • Eine Übersicht über diese und weitere SARS-CoV-2-Varianten stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung.
  • Einen Überblick über aktuelle Sequenzen liefert u.a. die Internetseite des Konsiliarlabors an der Berliner Charité.
  • Molekularbiologische Details der Varianten Alpha und Beta hat das Robert Koch-Institut (RKI) aufbereitet. Sie sind hier abrufbar.

Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um die Ausbreitung der Coronavirus-Varianten zu verhindern?

Die Dynamik der Verbreitung, vor allem der Varianten Alpha und Beta in einigen Staaten, - auch in Deutschland - ist besorgniserregend. Zwar ist noch nicht gänzlich geklärt, wie sich die neuen Varianten auf die Situation in Deutschland auswirken. Aber: Die Lage könnte sich weiter verschärfen. Deshalb ist umso wichtiger, die AHA+A+L-Formel konsequent einzuhalten, um Infektionen mit COVID-19 zu verhindern und die Ausbreitung der neuen, noch leichter übertragbaren Varianten einzudämmen. Es gilt also verstärkt: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen.

Wirkt die Corona-Schutzimpfung trotz Ansteckung mit einer der neuen Virusvarianten?

Alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, schützen nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch Alpha und sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass die bisher beobachteten Virusvarianten Alpha und Beta die Wirksamkeit der bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe kaum beeinträchtigen. Eine Begründung für diese Annahme ist, dass nur einzelne für den Immunschutz relevante Erkennungsstellen des Oberflächen-Spikeproteins (S-Protein) von den Virusmutationen betroffen sind. Zudem wird durch die Corona-Impfung sowohl eine komplexe Immunantwort bestehend aus Antikörpern als auch eine zelluläre Immunantwort hervorgerufen. Wirksamkeitsdaten aus der breiten Anwendung der zugelassenen Impfstoffe liegen gegenwärtig nur eingeschränkt vor.

Die mRNA-Impfstoffe, die von der Europäischen Kommission zugelassen wurden, die des deutschen Unternehmens BioNTech und der US-Firma Moderna, bieten laut Expertinnen und Experten also auch gegen die neuen Coronavirus-Varianten ausreichenden Schutz. Das Herstellungsverfahren der mRNA-Impfstoffe ermöglicht es zudem, dass diese bei Bedarf schnell an Virusvarianten angepasst werden können.

Gut zu wissen: Die Wirksamkeit der Impfstoffe und ihre Wirkung gegen Virusvarianten werden kontinuierlich überprüft. Alle Hersteller planen zudem verschiedene Anpassungen ihrer Impfstoffe, die – falls es notwendig sein sollte – besser vor den Virusvarianten schützen sollen.

Verbreitungsstopp der Coronavirus-Varianten: Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung?

Eine Ausbreitung in Deutschland gilt es, gemeinsam soweit wie möglich zu verhindern. Die Bundesregierung hat folgende präventive Maßnahmen beschlossen:

Einreiseregeln nach Voraufenthalt in einem Virusvariantengebiet:

Wer sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland in einem zum Zeitpunkt der Einreise als Virusvariantengebiet eingestuftem Gebiet aufgehalten hat, muss bestimmte Regeln beachten: Bereits vor der Einreise, gegebenenfalls gegenüber dem Beförderungsunternehmen (zum Beispiel Flug- oder Bahnunternehmen) müssen Einreisende nachweisen können, dass keine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Als Nachweise gelten ein Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis. Dieser Nachweis kann auch bei der Einreisekontrolle verlangt werden. Der Testnachweis muss sich auf einen Test beziehen, der im Zeitpunkt der Einreise maximal 24 Stunden (bei Antigen-Tests) oder 72 Stunden (PCR) zurückliegt. Der durchgeführte Test muss die unter www.rki.de/tests genannten Anforderungen erfüllen. Auch Genesene und Geimpfte müssen über einen solchen Testnachweis verfügen. Daneben gelten eine grundsätzliche Anmelde- und eine vierzehntägige Quarantänepflicht: So müssen Reisende nach Voraufenthalt in einem Virusvariantengebiet die digitale Einreiseanmeldung unter https://www.einreiseanmeldung.de ausfüllen und die erhaltene Bestätigung bei Einreise mit sich führen. Die Bestätigung wird durch den Beförderer und gegebenenfalls zusätzlich durch die Bundespolizei im Rahmen grenzpolizeilicher Aufgabenwahrnehmung kontrolliert. Die Quarantäne kann nicht, z. B. durch einen Testnachweis, verkürzt werden. Darüber hinaus besteht zum Schutz der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland und zur Limitierung des Eintrags der neuen Virusvarianten eine Verbot der Beförderung von Einreisenden aus den als Virusvariantengebieten eingestuften Staaten in die Bundesrepublik Deutschland. Es gelten nur eng begrenzte Ausnahmen vom Beförderungsverbot, darunter für Personen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik Deutschland.

Virusvariantengebiete sind Risikogebiete mit besonderen Merkmalen. Dies können Gebiete sein, in denen eine Virusvariante (Mutation) des Coronavirus SARS-CoV-2 verbreitet aufgetreten ist, die nicht zugleich in Deutschland verbreitet auftritt und von der anzunehmen ist, dass von ihr ein besonderes Risiko ausgeht. Solche besonderen Risiken können sich unter anderem daraus ergeben, dass die Virusvariante

  • vermutlich oder nachweislich leichter übertragen wird
  • aufgrund einer anderen Eigenschaft die Infektionsausbreitung beschleunigt,
  • die Krankheitsschwere verstärkt
  • oder gegen die die Wirkung einer durch Impfung oder überstandene COVID-Infektion erreichte Immunität abgeschwächt ist.

Hier finden Sie eine Liste der Risikogebiete (einfache Risikogebiete, Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete). Sequenzierung des Coronavirus

Um einen besseren Überblick über zirkulierende bekannte Virusvarianten und deren Ausbreitungsmuster zu bekommen und vor allem auch neu entstehende Virusvarianten zuverlässig schnell zu entdecken, fördert die Bundesregierung die bundesweite Sequenzierung der Viren. Dabei wird die Reihenfolge der Erbgutbausteine bestimmt, was entscheidend ist, um das ursprüngliche Coronavirus von seinen Varianten mit Mutationen zu unterscheiden. 

Die rechtliche Grundlage dafür hat der Bundestag im dritten Bevölkerungsschutzgesetz gelegt. Erst dadurch ist es möglich, die Meldedaten der Sequenzierung strukturiert zu erheben und beim Robert Koch-Institut (RKI) zusammenzuführen. Zur Übermittlung von Sequenzdaten stellt das RKI eine technische Plattform bereit, die alle sequenzierenden Labore in Deutschland nutzen können. Die Sequenzierung erfolgt in der Regel in drei Phasen (Phase 0 bis Phase 2).

Am 19. Januar 2021 ist die Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Kraft getreten, welche Maßnahmen für eine bundesweit flächendeckende molekulare Surveillance, sprich die systematische und kontinuierliche Überwachung des Virus, festhält. Dies soll unter anderem durch eine Sammelstelle für alle in Deutschland gewonnen Sequenzdaten und ein bundesweites Labornetzwerk erreicht werden.

Einreise aus Risikogebieten

Die von den Bundesländern angeordneten Quarantänepflichten bei Einreise aus Risikogebieten gelten weiterhin. Nach Landesrecht können Ausnahmen von der Quarantänepflicht bestehen. Die „Verordnung zum Schutz vor einreisebedingten Infektionsgefahren in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 nach Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag“ (Coronavirus-Einreiseverordnung) sieht im Wesentlichen vor:

Die digitale Einreiseanmeldung ist von allen einreisenden Personen auszufüllen, die sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet oder einem Gebiet mit einem besonders hohen Risiko (Hochinzidenzgebiet oder Virusvarianten-Gebiet) aufgehalten haben und die nicht unter eine der Ausnahmetatbestände fallen. Die Anwendung ist über die Website www.einreiseanmeldung.de erreichbar. Einreisende, die sich in den letzten zehn Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen spätestens 48 Stunden nach Einreise über ein negatives Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis verfügen. Dieses müssen sie unter anderem der nach dem Infektionsschutzgesetz zuständigen Behörde, in der Regel ist das das Gesundheitsamt, auf Anforderung vorlegen.

Wer aus einem Risikogebiet einreist, in dem beispielsweise die Frequenz neuer Krankheitsfälle besonders hoch ist (Hochinzidenzgebiet) oder besorgniserregende Virusvarianten verbreitet sind (Virusvarianten-Gebiet), muss bereits vor der Einreise – gegebenenfalls gegenüber dem Beförderungsunternehmen – durch ein negatives Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis nachweisen können, dass keine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Dieser Nachweis kann u. a. auch bei der Einreisekontrolle verlangt werden.

Ab dem 1. März 2021 informieren Betreiber von Mobilfunknetzen ihre Kundinnen und Kunden per SMS über die in Deutschland geltenden Einreisebestimmungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sowie die zu beachtenden Infektionsschutzmaßnahmen.

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