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Bundesministerium für Gesundheit
Einfach erklärt
17:00 · 7. Mai 2021

Wie gefährlich sind die Coronavirus-Mutationen?

In den vergangenen Monaten haben sich mehrere Varianten des Coronavirus SARS-CoV-2 massiv verbreitet. Gerade die zuerst in Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) festgestellten Varianten treten weltweit vermehrt auf. Was bedeutet dies für die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe? Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mutationen: Strengere Einreiseregelungen notwendig

Wenn Viren in Körperzellen gelangen, vervielfältigen sie sich dort. Das heißt: Es entstehen unzählige Duplikate. Bei diesen Vorgängen passieren immer wieder kleine Kopier-Fehler. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Prozess und willkürliche Varianten, im Volksmund auch Mutationen genannt, die in den meisten Fällen ohne gravierende Konsequenzen bleiben. Auch vor den neuen Virusvarianten ist das Coronavirus SARS-CoV2 bereits mutiert. Doch den neuen Formen gilt eine besondere Aufmerksamkeit, denn: Laboruntersuchungen sowie eine Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ergeben, dass sich einige Mutationen bzw. Varianten leichter von Mensch zu Mensch übertragen oder schwerere Krankheitsverläufe zur Folge haben.

Was wissen wir über die Corona-Mutation, die zuerst in Großbritannien festgestellt wurde? 

Seit Herbst 2020 verbreitet sich die sogenannte Variante B.1.1.7 des Coronavirus im Vereinten Königreich. Die Virusvariante hat sich in allen Landesteilen Großbritanniens verbreitet und macht dort den größten Teil aller erfassten SARS-CoV-2-Infektionen aus, da sie sich noch leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die bisher verbreiteten Formen. Weltweit hat sich diese Virusvariante rasant ausgebreitet. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt, liegt mittlerweile auch in Deutschland der Anteil der Infektionen mit der Variante B.1.1.7 über 50%.

Die Variante B.1.1.7 weist eine erhöhte Reproduktionszahl sowie Viruslast auf. Nach bisherigen Erkenntnissen und Studien gibt es zudem Hinweise darauf, dass eine Infektion mit dieser Virusvariante mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte.  Weitere Untersuchungen werden ein klareres Bild über die veränderten Eigenschaften der Virusvariante zeichnen.

Was wissen wir über die Corona-Mutation, die zuerst in Südafrika festgestellt wurde? 

Im Dezember 2020 wurde eine weitere Virusvariante auffällig – die sogenannte Virusvariante B.1.351 aus Südafrika. Auch diese geht Untersuchungen zufolge mit einem höheren Übertragungsrisiko einher. Infektionen mit B.1.351 werden zunehmend auch in Europa festgestellt. Der Anteil der Infektionen mit der Variante B1.351 liegt jedoch in Europa meist im einstelligen Bereich. In Südafrika ist die Virusvariante mittlerweile für die meisten Corona-Infektionen verantwortlich. Über diese Virusvariante aus Südafrika wurde ebenfalls erstmals im Dezember 2020 berichtet. Mehrere Studien weisen auch darauf hin, dass Menschen, die mit der ursprünglichen Variante infiziert waren oder einen auf dieser Variante beruhenden Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit B.1.351 geschützt sind, denn die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, sind gegen das veränderte Virus weniger wirksam. Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert.

Wo finde ich weitere Informationen über die Coronavirus-Varianten?

  • Eine Übersicht über diese und weitere SARS-CoV-2-Varianten stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung.
  • Einen Überblick über aktuelle Sequenzen liefert u.a. die Internetseite des Konsiliarlabors an der Berliner Charité.
  • Molekularbiologische Details der in Großbritannien und Südafrika erstmals gefundenen Varianten hat das Robert Koch-Institut (RKI) aufbereitet. Sie sind hier abrufbar.

Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um die Ausbreitung der Coronavirus-Varianten zu verhindern?

Die Dynamik der Verbreitung, vor allem der Varianten B.1.1.7 und B.1.351 in einigen Staaten, - auch in Deutschland - ist besorgniserregend. Zwar ist noch nicht gänzlich geklärt, wie sich die neuen Varianten auf die Situation in Deutschland auswirken. Aber: Die Lage könnte sich weiter verschärfen. Deshalb ist umso wichtiger, die AHA+L+A-Formel konsequent einzuhalten, um Infektionen mit COVID-19 zu verhindern und die Ausbreitung der neuen, noch leichter übertragbaren Varianten einzudämmen. Es gilt also verstärkt: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen.

Wirkt die Corona-Schutzimpfung trotz Ansteckung mit einer der neuen Virusvarianten?

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass die bisher beobachteten Virusvarianten aus Großbritannien und Südafrika die Wirksamkeit der bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe vermutlich kaum beeinträchtigen. Eine Begründung für diese Annahme ist, dass nur einzelne für den Immunschutz relevante Erkennungsstellen des Oberflächen-Spikeproteins (S-Protein) von den Virusmutationen betroffen sind. Zudem wird sowohl eine komplexe Immunantwort bestehend aus Antikörpern als auch eine zelluläre Immunantwort durch die Impfung hervorgerufen. Wirksamkeitsdaten aus der breiten Anwendung der zugelassenen Impfstoffe liegen gegenwärtig nur eingeschränkt vor.

Die mRNA-Impfstoffe, die von der Europäischen Kommission zugelassen wurden, die des deutschen Unternehmens BioNTech und der US-Firma Moderna, bieten laut Expertinnen und Experten also auch gegen die neuen Coronavirus-Varianten ausreichenden Schutz. Das Herstellungsverfahren der mRNA-Impfstoffe ermöglicht es zudem, dass diese bei Bedarf schnell an Mutationen angepasst werden können.

Beide Hersteller von mRNA-Impfstoffen BioNTech und Moderna planen verschiedene Auffrischungsimpfstoffe, sogenannte „Booster“, die dann nach den ersten beiden Impfungen verabreicht werden können und vor den Virusvarianten besser schützen sollen.

Verbreitungsstopp der Coronavirus-Mutation: Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung?

Eine Ausbreitung in Deutschland gilt es, gemeinsam soweit wie möglich zu verhindern. Die Bundesregierung hat folgende präventive Maßnahmen beschlossen:

Einreiseregeln:

Wer sich in den letzten 10 Tagen vor der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland in einem sogenannten Virusvarianten-Gebiet aufgehalten hat, in dem Virusvarianten mit ernst zu nehmenden Eigenschaftsveränderungen verbreitet sind, muss bereits vor der Einreise , gegebenenfalls gegenüber dem Beförderungsunternehmen (zum Beispiel Flug- oder Bahnunternehmen), nachweisen können, dass keine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Als Nachweise gelten ein Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis. Dieser Nachweis kann auch bei der Einreisekontrolle verlangt werden. Der Abstrich für den Test darf frühestens 48 Stunden vor der Einreise vorgenommen worden sein. Der durchgeführte Test muss die unter www.rki.de/tests genannten Anforderungen erfüllen. Vom 30. März bis zum 12. Mai müssen sich alle Flugreisenden vor ihrer Einreise nach Deutschland testen lassen - mehr dazu hier. Neben der Pflicht zur digitalen Einreiseanmeldung, zum Testnachweis und den landesrechtlichen Quarantäneregeln besteht zum Schutz der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland und zur Limitierung des Eintrags der neuen Virusvarianten eine zeitlich befristete Beschränkung der Beförderung von Einreisenden aus den als Virusvarianten-Gebieten eingestuften Staaten in die Bundesrepublik Deutschland. Es gelten nur eng begrenzte Ausnahmen vom Beförderungsverbot, darunter für Personen mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik Deutschland. Das Beförderungsverbot gilt derzeit bis zum 12. Mai 2021.

Hier finden Sie eine Liste der Risikogebiete, einschließlich der Regionen, die zurzeit als Virusvarianten-Gebiete gelten. Sequenzierung des Coronavirus

Um einen besseren Überblick über zirkulierende bekannte Virusvarianten und deren Ausbreitungsmuster zu bekommen und vor allem auch neu entstehende Virusvarianten zuverlässig schnell zu entdecken, fördert die Bundesregierung die bundesweite Sequenzierung der Viren. Dabei wird die Reihenfolge der Erbgutbausteine bestimmt, was entscheidend ist, um das ursprüngliche Coronavirus von seinen Varianten mit Mutationen zu unterscheiden. 

Die rechtliche Grundlage dafür hat der Bundestag im dritten Bevölkerungsschutzgesetz gelegt. Erst dadurch ist es möglich, die Meldedaten der Sequenzierung strukturiert zu erheben und beim Robert Koch-Institut (RKI) zusammenzuführen. Zur Übermittlung von Sequenzdaten stellt das RKI eine technische Plattform bereit, die alle sequenzierenden Labore in Deutschland nutzen können. Die Sequenzierung erfolgt in der Regel in drei Phasen (Phase 0 bis Phase 2).

Am 19. Januar 2021 ist die neue Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Kraft getreten, welche Maßnahmen für eine bundesweit flächendeckende molekulare Surveillance, sprich die systematische und kontinuierliche Überwachung des Virus, festhält. Dies soll unter anderem durch eine Sammelstelle für alle in Deutschland gewonnen Sequenzdaten und ein bundesweites Labornetzwerk erreicht werden.

Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet, Virusvariantengebiet

Grundsätzlich gilt für die Einreise aus den oben genannten Gebieten immer eine Pflicht zur digitalen Einreiseanmeldung, Test- und Quarantänepflicht. Je nach Gebiet gelten dann unterschiedliche Vorgaben und Ausnahmen. Der durchgeführte Test muss dabei die unter www.rki.de/tests genannten Anforderungen erfüllen.

Risikogebiete: Darunter versteht man Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Sie werden nach einer gemeinsamen Analyse durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Auswärtige Amt (AA) und das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) bestimmt. Wenn Sie sich innerhalb von 10 Tagen vor der Einreise nach Deutschland in einem aufgehalten haben, müssen Sie spätestens 48 Stunden nach Einreise ein negatives Testergebnis vorlegen können. Der Abstrich für den Test darf frühestens 48 Stunden vor der Einreise vorgenommen worden sein.

Hochinzidenzgebiet: Das sind Regionen, in denen die Fallzahlen der neu an COVID-19-Erkrankten besonders hoch sind. Einreisende, die sich innerhalb der letzten zehn Tage vor der Einreise in einem Hochinzidenzgebiet aufgehalten haben, sind verpflichtet, sich bereits vor Antritt der Reise nach Deutschland testen zu lassen.   

Virusvariantengebiet: Dies sind Regionen, in denen bestimmte Varianten des Coronavirus (Mutation) nachweisbar aufgetreten sind, welche sich zugleich im Inland nicht im selben Ausmaß verbreitet haben. Außerdem muss davon auszugehen sein, dass von den Coronavirus-Varianten ein besonderes Risiko ausgeht in Form einer beispielsweise leichteren Übertragbarkeit oder schwereren Krankheitsverläufen. Um dem Gefahrenpotential zu begegnen, das von der Eintragung gefährlicher, neuartiger Mutationen ausgeht, sind ausnahmslos alle einreisenden Personen nach Aufenthalt in einem Virusvarianten-Gebiet verpflichtet, bei Einreise einen aktuellen Testnachweis mitzuführen. Dadurch wird gewährleistet, dass einreisende Personen sich vor der Einreise einer Testung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 unterziehen. Dies dient dazu, den Eintrag gefährlicher, neuartiger Virusvarianten zu begrenzen.

Eine vollständige und stetig aktualisierte Liste der betreffenden Regionen finden Sie hier

Einreise aus Risikogebieten

Die von den Bundesländern angeordneten Quarantänepflichten bei Einreise aus Risikogebieten gelten weiterhin. Nach Landesrecht können Ausnahmen von der Quarantänepflicht bestehen. Die „Verordnung zum Schutz vor einreisebedingten Infektionsgefahren in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 nach Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag“ (Coronavirus-Einreiseverordnung) sieht im Wesentlichen vor:

Die digitale Einreiseanmeldung ist von allen einreisenden Personen auszufüllen, die sich in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet oder einem Gebiet mit einem besonders hohen Risiko (Hochinzidenzgebiet oder Virusvarianten-Gebiet) aufgehalten haben und die nicht unter eine der Ausnahmetatbestände fallen. Die Anwendung ist über die Website www.einreiseanmeldung.de erreichbar. Einreisende, die sich in den letzten zehn Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen spätestens 48 Stunden nach Einreise über ein negatives Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis verfügen. Dieses müssen sie unter anderem der nach dem Infektionsschutzgesetz zuständigen Behörde, in der Regel ist das das Gesundheitsamt, auf Anforderung vorlegen.

Wer aus einem Risikogebiet einreist, in dem beispielsweise die Frequenz neuer Krankheitsfälle besonders hoch ist (Hochinzidenzgebiet) oder besorgniserregende Virusvarianten verbreitet sind (Virusvarianten-Gebiet), muss bereits vor der Einreise – gegebenenfalls gegenüber dem Beförderungsunternehmen – durch ein negatives Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis nachweisen können, dass keine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Dieser Nachweis kann u. a. auch bei der Einreisekontrolle verlangt werden.

Ab dem 1. März 2021 informieren Betreiber von Mobilfunknetzen ihre Kundinnen und Kunden per SMS über die in Deutschland geltenden Einreisebestimmungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sowie die zu beachtenden Infektionsschutzmaßnahmen.

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