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Bundesministerium für Gesundheit
Einfach erklärt
14:29 Uhr · 23. Februar 2021

Wie gefährlich sind die Coronavirus-Mutationen?

Zwei neuartige Varianten (Mutationen) des Coronavirus SARS-CoV-2 haben sich in den vergangenen Wochen massiv in Großbritannien und Südafrika verbreitet. Inzwischen sind beide Mutationen auch bei COVID-19-Erkrankten in Deutschland festgestellt worden. Was bedeutet dies für die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe? Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mutationen: Strengere Einreiseregelungen notwendig
Bild: Shutterstock / Robert Kneschke

Was wissen wir über die Corona-Mutationen aus Großbritannien? 

Seit Herbst 2020 verbreitet sich die sogenannte Variante B.1.1.7 des Coronavirus im Vereinten Königreich. Die Mutation hat sich mittlerweile in allen Landesteilen Großbritanniens festgesetzt und macht dort einen ansteigenden Prozentsatz aller erfassten SARS-CoV-2-Viren aus. Weltweit haben sich bereits Menschen mit dieser neuen Form des Virus angesteckt. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) bestätigt, wurden auch in Deutschland Infektionen mit der Variante B.1.1.7 nachgewiesen – weitere Fälle und Ausbrüche gelten als wahrscheinlich. 

Zum Hintergrund: Wenn Viren in Körperzellen gelangen, vervielfältigen sie sich dort. Das heißt: Es entstehen unzählige Duplikate. Bei diesen Vorgängen passieren immer wieder kleine Kopier-Fehler. Dabei handelt es sich um natürliche und willkürliche Mutationen, die in den meisten Fällen ohne gravierende Konsequenzen bleiben. Auch vor den neuen Virusvarianten ist das Coronavirus SARS-CoV2 bereits mutiert. Doch den neuen Formen gilt eine besondere Aufmerksamkeit, denn: Laboruntersuchungen sowie eine Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ergeben, dass sich die als "B1.1.7" bezeichnete Variante noch leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die bisher verbreiteten Formen. So weist sie eine erhöhte Reproduktionszahl sowie Viruslast auf. Nach bisherigen Erkenntnisse ist damit aber nicht zwangsweise ein schwererer Krankheitsverlauf verbunden. Ja nach körperlicher Verfassung kann es bei Personen, die sich mit "B1.1.7" infizieren, zu einer schweren Erkrankung kommen, die auch zum Tod führen kann. Weitere Untersuchungen werden ein klareres Bild über die Mutante zeichnen und die damit einhergehende Tragweite für Deutschland besser einschätzen lassen. 

Was wissen wir über die Corona-Mutationen aus Südafrika? 

Im Dezember 2020 wurde zudem eine weitere Mutation besonders auffällig – die sogenannte Virusvariante B.1.351 aus Südafrika. Auch diese geht Untersuchungen zufolge mit einem höheren Übertragungsrisiko einher. Erste Krankheitsverläufe mit B.1.351 sind bisher vereinzelt in Europa, unter anderem in Großbritannien, Schweden, Frankreich, Finnland sowie Deutschland, nachgewiesen. 

Wo finde ich weitere Informationen über die Coronavirus-Mutationen?

  • Eine Übersicht über diese und weitere SARS-CoV-2-Varianten stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung.
  • Einen Überblick über aktuelle Sequenzen liefert u.a. die Internetseite des Konsiliarlabors an der Berliner Charité: https://civnb.info/sequences/
  • Molekularbiologische Details der in Großbritannien und Südafrika erstmals gefundenen Varianten hat das Robert Koch-Institut (RKI) aufbereitet. Sie sind hier abrufbar.

Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um die Ausbreitung der Coronavirus-Mutation zu verhindern?

Die Dynamik der Verbreitung beider Varianten B.1.1.7 und B.1.351 in einigen Staaten ist besorgniserregend. Zwar ist noch nicht gänzlich geklärt, wie sich die neuen Varianten auf die Situation in Deutschland auswirken. Aber: Die Lage könnte sich weiter verschärfen. Deshalb ist umso wichtiger, die AHA+L+A-Formel konsequent einzuhalten, um Infektionen mit COVID-19 zu verhindern und  die Ausbreitung der neuen, noch leichter übertragbaren Varianten einzudämmen.

Wirkt die Corona-Schutzimpfung trotz Ansteckung mit einer Mutations-Variante?

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass die bisher beobachteten Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika die Wirksamkeit der bisher zugelassenen COVID-19-Impfstoffe nicht beeinträchtigen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sieht die Begründung darin, dass die für den Immunschutz relevanten Erkennungsstellen des Oberflächen-Spikeproteins (S-Protein) von den Virusmutationen wenig betroffen sind. 

Auch die bisher von der Europäischen Kommission zugelassenen Impfstoffe, also die des deutschen Unternehmens BioNTech und der US-Firma Moderna, bieten laut Expertinnen und Experten trotz Corona-Mutationen ausreichenden Schutz. Es handelt sich in diesen Fällen um sogenannte mRNA-Impfstoffe, die wegen ihrer einfachen Struktur schnell an Mutationen angepasst werden können. 

Verbreitungsstopp der Coronavirus-Mutation: Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung?

Eine Ausbreitung in Deutschland gilt es, gemeinsam soweit wie möglich verhindern. Die Bundesregierung hat folgende präventive Maßnahmen beschlossen: 

Einreiseverordnung: 

Bis zum 03. März 2021 gilt ein Beförderungsverbot für Personen, die aus sogenannten Virusvarianten-Gebieten einreisen möchten. Hier finden Sie eine Liste mit Regionen, die zurzeit als Virusvarianten-Gebiete gelten. Für dieses Einreiseverbot gibt es sehr eng begrenzte Ausnahmen. Diese finden Sie hier. Personen, für die diese Ausnahmen gelten, müssen die Anmelde- und Testnachweispflicht der Coronavirus-Einreiseverordnung und die Quarantänebestimmungen Ihres Bundeslandes beachten.

Sequenzierung des Coronavirus

Um einen besseren Überblick über Coronavirus-Mutationen zu bekommen und Ausbreitungsmuster zu erkennen, fördert die Bundesregierung die bundesweite Sequenzierung der Viren. Dabei wird die Reihenfolge der Erbgutbausteine bestimmt, was entscheidend ist, um das ursprüngliche Coronavirus von seinen Mutationen zu unterscheiden.  

Die rechtliche Grundlage hat der Bundestag dafür im dritten Bevölkerungsschutzgesetz gelegt. Erst dadurch ist es möglich, die Meldedaten der Sequenzierung strukturiert zu erheben und beim Robert Koch-Institut (RKI) zusammenzuführen. Zur Übermittlung von Sequenzdaten stellt das RKI eine technische Plattform bereit, die alle sequenzierenden Labore in Deutschland nutzen können. Die Sequenzierung erfolgt in der Regel in drei Phasen (Phase 0 bis Phase 2). 

Am 19. Januar 2021 ist die neue Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Kraft getreten, welche Maßnahmen für eine bundesweit flächendeckende molekulare Surveillance, sprich die systematische und kontinuierliche Überwachung des Virus, festhält. Dies soll unter anderem durch eine Sammelstelle für alle in Deutschland gewonnen Sequenzdaten und ein bundesweites Labornetzwerk erreicht werden. 

Risikogebiet, Hochinzidenzgebiet, Virusvariantengebiet

Risikogebiete: Darunter versteht man Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Sie werden nach einer gemeinsamen Analyse durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Auswärtige Amt (AA) und das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) bestimmt. Für Ein- oder Rückreisende aus dem Ausland, die sich innerhalb der letzten zehn Tage vor der Einreise in einer als Risikogebiet gelisteten Region aufgehalten haben, besteht die Verpflichtung, sich in eine bis zu zehntägige Quarantäne zu begeben. Zudem besteht eine Testpflicht. Ein entsprechendes Ergebnis muss spätestens 48 Stunden nach Einreise vorliegen.  

Hochinzidenzgebiet: Als solche lassen sich Regionen definieren, in denen die Fallzahlen der an COVID-19-Erkrankten auffallend hoch ist. Ein- oder Rückreisende aus diesen Gebieten müssen sich neben der allgemeinen Test- und Nachweispflicht besondere Maßnahmen unterziehen. Ein negativer Test auf das Coronavirus muss noch während der Einreise vorgelegt werden. Dieser Test darf frühestens 48 Stunden vor der Einreise vorgenommen worden sein oder während der Einreise nach Deutschland vorgenommen werden.  

Virusvariantengebiet: Dies sind bereits als Risikogebiete gelistete Regionen, in denen bestimmte Varianten des Coronavirus (Mutation) nachweisbar aufgetreten sind, welche sich zugleich im Inland nicht im selben Ausmaß verbreitet haben. Außerdem muss davon ausgegangen werden, dass von den Coronavirus-Varianten ein besonderes Risiko ausgeht in Form einer beispielsweise leichteren Übertragbarkeit oder schwereren Krankheitsverläufen des Virus. Um dem Gefahrenpotential zu begegnen, das von der Eintragung gefährlicher, neuartiger Mutationen ausgeht, sind ausnahmslos alle einreisenden Personen nach Aufenthalt in einem Virusvarianten-Gebiet verpflichtet, bei Einreise einen aktuellen Testnachweis mitzuführen. Dadurch wird gewährleistet, dass einreisende Personen sich vor der Einreise einer Testung auf das Coronavirus SARS-CoV-2 unterziehen. Dies dient dazu, dass gefährliche, neuartige Virusvarianten möglichst nicht eingetragen werden.

Eine vollständige und stetig aktualisierte Liste der betreffenden Regionen finden Sie hier.  

Einreise aus Risikogebieten

Die von den Bundesländern angeordneten Quarantänepflichten bei Einreise aus Risikogebieten gelten weiterhin. Die „Verordnung zum Schutz vor einreisebedingten Infektionsgefahren in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 nach Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag“ sieht im Wesentlichen vor: 

  • Einreisende aus einem Gebiet außerhalb des Schengen-Raumes müssen den DEA-Nachweis auch bei der Einreisekontrolle vorlegen. Einreisende, die sich in den zehn Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, müssen spätestens 48 Stunden nach Einreise über ein negatives Testergebnis oder ein entsprechendes ärztliches Zeugnis verfügen. Dieses müssen sie dem zuständigen Gesundheitsamt auf Anforderung vorlegen. 

  • Wer aus einem Risikogebiet einreist, in dem die Frequenz neuer Krankheitsfälle besonders hoch oder besonders ansteckende Virusvarianten verbreitet sind, muss bereits vor der Einreise – gegebenenfalls gegenüber dem Beförderungsunternehmen – nachweisen können, dass keine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Dieser Nachweis kann auch bei der Einreisekontrolle verlangt werden. 

  • Ab dem 01. März 2021 müssen Betreiber von Mobilfunknetzen ihre Kundinnen und Kunden per SMS über die in Deutschland geltenden Einreise- und Infektionsschutzmaßnahmen informieren.

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