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Gesellschaft
16:17 Uhr · 15. Oktober 2020

„Corona-Datenspende-App“: Ihre Daten helfen bei der Eindämmung der Pandemie

Das Robert Koch-Institut ruft Bürger und Bürgerinnen dazu auf, freiwillig Daten von Fitness-Trackern und Smartwatches zur Verfügung zu stellen. Mit einer Datenspende helfen Sie, wichtige Erkenntnisse über die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu gewinnen.

Fitness-Apps können der Datenspende-App helfen /
Bild: Getty Images / Carlina Teteris

Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an Methoden, um die Coronavirus-Pandemie weiter einzudämmen. Auf einen Impfstoff und Medikamente müssen wir aller Voraussicht nach noch länger warten. Doch auch Daten können einen Beitrag zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus leisten. Das Robert Koch-Institut (RKI) ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihre Daten freiwillig zur Verfügung zu stellen, um die Ausbreitung des Virus besser nachvollziehen zu können. Es geht um die Daten von Fitnesstrackern und Smartwatches, die mit Hilfe einer Smartphone-App an das Institut gesendet werden. Alle Bürgerinnen und Bürger, die solche sogenannten „Wearables“ nutzen, können mit der „Corona-Datenspende“ einen Beitrag zur Arbeit der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen leisten.

„Digitale Anwendungen können die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 sinnvoll ergänzen“, erklärt Professor Dr. Lothar Wieler, Präsident des RKI. „Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen beteiligen. Denn je mehr Menschen ihre Daten für eine Auswertung zur Verfügung stellen, desto genauer werden unsere Erkenntnisse zur Verbreitung des neuartigen Coronavirus.“

So funktioniert die „Corona-Datenspende-App“

Nutzer und Nutzerinnen senden über die App bestimmte von den Tracking-Geräten gesammelte Daten an das Robert Koch-Institut, z. B. Aktivitätsdaten und Angaben zur Herzfrequenz. Zusätzlich wird die Postleitzahl abgefragt. Algorithmen können mit Hilfe dieser Gesundheitsdaten Symptome erkennen, die unter anderem mit einer Coronavirus-Infektion in Verbindung gebracht werden. Denn bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich die Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische COVID-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden.

Aus der Verbindung der Gesundheitsdaten mit dem geografischen Standort will das Robert Koch-Institut Erkenntnisse über die Verbreitung des Coronavirus gewinnen. In einem ähnlichen Projekt wurden in den USA bei einer Grippewelle die Gesundheitsdaten von Fitnessarmbändern ausgewertet. Dabei wurde nachgewiesen, dass Daten von Tracking-Geräten die Verbreitung der Grippe sehr genau beschreiben.

Die Daten können die Dunkelziffer der Infizierten verringern

Um die Verbreitung von COVID-19 besser erfassen zu können, ist eine breite Datenbasis – d. h. eine Datengewinnung aus vielen verschiedenen Quellen – notwendig. Eine wichtige Datenquelle sind die Labortests, die nachweisen können, ob ein Mensch mit dem neuartigen Coronavirus infiziert ist. Doch auch zusätzliche Informationen wie die Tracking-Daten sind für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehr wertvoll. 

Das betont auch Professor Dirk Brockmann von der Berliner Humboldt-Universität, der zur Modellierung komplexer Systeme forscht und das Projekt unterstützt: „Ihre Datenspende ermöglicht uns, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus besser zu erfassen und die Dunkelziffer der Infizierten drastisch zu verringern. Diese Informationen sind für Epidemiologen unglaublich wertvoll und helfen, bessere Maßnahmen abzuleiten.“ Professor Oliver Amft vom Lehrstuhl Digital Health der Universität Erlangen-Nürnberg ergänzt: „Indikatoren für eine Virusinfektion aus Sensordaten sind dabei zuverlässiger als die manuelle Eingabe von Krankheitssymptomen ins Smartphone.“

Die erhobenen Daten sind durch ein Pseudonym geschützt  

Die „Corona-Datenspende-App“ wird vom Robert Koch-Institut herausgegeben. Die App wurde in Zusammenarbeit mit Thryve (mHealth Pioneers GmbH) entwickelt, einem auf Digital Health spezialisierten Berliner Start-up. Dieses Unternehmen ist der technologische Dienstleister. Weder Thryve noch das RKI erhalten durch die Nutzung der App Kenntnis von persönlichen Informationen wie Name oder Anschrift. Jeder Nutzer und jede Nutzerin erhält eine individuelle ID, das sogenannte Pseudonym. Nur so können Daten auch über längere Zeiträume richtig zugeordnet und interpretiert werden. Die App ist damit nicht anonym, sondern pseudonym. 

Mit den Daten kann keine Person identifiziert werden. Sie werden auf Servern in Deutschland gespeichert und ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt.

Was die App registriert und wo es sie gibt

Die Corona-Datenspende-App registriert sportliche Aktivitäten, Ruhepausen und Schlafzeiten. 

Zu den erhobenen Vitaldaten zählen Puls, Stress, Temperatur und Blutdruck. Zusätzlich wird die Postleitzahl für die Erfassung der räumlichen Ausbreitung benötigt. 

Die „Corona-Datenspende-App“ gibt es kostenlos bei Google Play und im App-Store. Sie ist in wenigen Minuten auf einem Handy eingerichtet. Weitere Informationen über die App und darüber, welche Fitnesstracker und Smartwatches genutzt werden können, finden Sie hier: corona-datenspende.de.