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Einfach erklärt
13:51 Uhr · 11. September 2020

Die nationale Teststrategie

Wer wird durch die neue nationale Teststrategie auf das Coronavirus getestet? Hier erfahren Sie mehr darüber.

Bild: Getty Images / krisanapong detraphiphat

Zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus gehören Tests. Daher hat Deutschland schon seit Beginn der Pandemie Testkapazitäten schnell aufgebaut und erweitert.

Wer getestet wird

Beim Testen ist ein zielgerichtetes Vorgehen wichtig. Testen ohne Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl. Denn auch ein negativer Coronatest ist nur eine Momentaufnahme und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Stichwort AHA-Formel). Testen ohne einen begründeten Verdacht erhöht außerdem das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität. Daher wollen wir verstärkt, aber auch gezielt, testen. In Deutschland werden auf Grundlage einer durch die behandelnde Ärztin/ den behandelnden Arzt bzw. den öffentlichen Gesundheitsdienst getroffenen Entscheidung die folgenden Personengruppen getestet:

  • Personen mit Corona-typischen Symptomen – auch bei leichten Symptomen.
  • Personen, die Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten. Z. B. Mitglieder desselben Haushalts oder Personen, die über die Corona-Warn-App als Kontaktpersonen identifiziert wurden.
  • Personen in Gemeinschaftseinrichtungen und –unterkünften (z.B. Arztpraxen, Schulen, Kita, Asylbewerberheim, Notunterkunft, Justizvollzugsanstalt) wenn in der Einrichtung eine mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Person festgestellt wurde.
  • Personen, die von einer Reise aus einem Risikogebiet zurückkehren. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss seit dem 8. August einen Test auf das neuartige Coronavirus machen, oder ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen. Reisende aus Risikogebieten erhalten im Flugzeug, Bus, Schiff oder Bahn Aussteigekarten, damit Infektionsketten besser nachvollzogen werden können. Wenn Sie sich testen lassen (freiwillig oder auf Anforderung des Gesundheitsamtes) gilt: Solange Sie auf ihr Testergebnis warten, müssen Sie sich auf direktem Weg nach Hause oder eine andere geeignete Unterkunft begeben und dort bleiben, bis das Ergebnis vorliegt (weitere Informationen dazu finden Sie hier).
  • Patienten und Bewohner vor (Wieder-)Aufnahme in Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen, Behinderteneinrichtungen, Reha-Einrichtungen und sonstige Einrichtungen für vulnerable Gruppen sowie in der ambulanten Pflege.
  • Bewohnerinnen und Bewohner sowie Personal von Pflegeheimen sowie Patienten und das Personal im Krankenhaus und weiteren Einrichtungen stichprobenartig unabhängig von Fällen.
  • In Regionen mit vielen Neuinfektionen (mindestens 50 Fälle pro 100.000 Einwohner über sieben Tage) können Teile der Bevölkerung bzw. die gesamte Bevölkerung stichprobenartig getestet werden.

Wie Sie bei einem Verdacht auf eine Infektion vorgehen sollten

Bitte lassen Sie sich testen – eine frühzeitige medizinische Betreuung ist mit einem besseren Krankheitsverlauf verbunden. Außerdem können Sie so dazu beitragen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Für einen Test sind keine schweren Symptome erforderlich, leichte Symptome eines Atemwegsinfekts genügen. Haben Sie den Verdacht, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu sein, begeben Sie sich nicht unangemeldet zu einer Ärztin oder einem Arzt. Dort könnten Sie weitere Menschen anstecken. Besprechen Sie das Vorgehen zunächst telefonisch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Oder wenden Sie sich außerhalb der Sprechstunden an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweit geltenden Telefonnummer 116 117. Die Hausärztin bzw. der Hausarzt oder der Bereitschaftsdienst werden Ihnen – sofern ein Test erforderlich ist – mitteilen, wo der Test durchgeführt werden kann. Möglicherweise kann auch ein mobiler Test veranlasst werden, der bei Ihnen zuhause durchgeführt werden kann. In Notfällen, z. B. bei starker Atemnot, wählen Sie die 112. Falls Sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten, wenden Sie sich auch ohne dass Symptome vorliegen an das zuständige Gesundheitsamt, das nach einer individuellen Befragung die weiteren Maßnahmen festlegen wird.

Wie ein Labortest abläuft

Zunächst muss bei den Betroffenen ein Abstrich gemacht werden. Die Viren vermehren sich in den Schleimhäuten im Nasen-/Rachenraum. Daher wird mit einem speziellen Tupfer an der Rachenhinterwand abgestrichen. Bei schwereren Verläufen kann auch Sekret aus den tiefen Atemwegen entnommen werden. Die Proben müssen anschließend so schnell als möglich in ein Labor transportiert werden. Der Nachweis von SARS-CoV-2 erfolgt mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR), einem Standardverfahren in der Diagnostik von Viren, das automatisiert werden kann. Bei der PCR wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt. Das Testverfahren nimmt derzeit etwa vier bis fünf Stunden in Anspruch. Hinzu kommt die Transportzeit ins Labor, die Vorbereitungszeit im Labor und gegebenenfalls eine Wartezeit wegen hohen Probeaufkommens. In den meisten Fällen liegt ein Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vor.

Prof. Dr. Drosten erklärt: Test auf das Coronavirus