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Vor 24 Minuten

Die nationale Teststrategie

Wer wird durch die neue nationale Teststrategie auf das neuartige Coronavirus getestet? Hier erfahren Sie mehr darüber.

Verstärkt und gezielt gegen COVID-19 testen /
Bild: Shutterstock / Cryptographer

Zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus gehören Tests. Daher hat Deutschland schon seit Beginn der Pandemie Testkapazitäten schnell aufgebaut und erweitert.

Wer getestet wird 

Beim Testen ist ein zielgerichtetes Vorgehen wichtig. Testen ohne Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl. Denn auch ein negativer Coronatest ist nur eine Momentaufnahme und entbindet nicht von Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Stichwort AHA-Formel). Testen ohne einen begründeten Verdacht erhöht außerdem das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität. Daher wollen wir verstärkt, aber auch gezielt, testen. 

In Deutschland werden die folgenden Personengruppen mit einem PCR-Test getestet:

  • Personen mit Corona-typischen Symptomen – auch bei leichten Symptomen.
  • Personen, die Kontakt zu einer mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Person hatten. Z. B. Mitglieder desselben Haushalts oder Personen, die über die Corona-Warn-App als Kontaktpersonen identifiziert wurden.
  • Personen in Gemeinschaftseinrichtungen und –unterkünften (z.B. Arztpraxen, Schulen, Kitas, Geflüchtetenunterkünfte, Notunterkünfte, Justizvollzugsanstalten), wenn in der Einrichtung eine mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Person festgestellt wurde.
  • Patienten, Bewohner und das Personal in Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus, wenn es zu einem Ausbruch des Virus in der Einrichtung kam. Dies gilt auch für Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Rehabilitation, ambulante Operationen oder ambulante Dialyse sowie für Arzt- und Zahnpraxen und weitere Praxen humanmedizinischer Heilberufe.
  • Patienten oder Bertreute vor Aufnahme oder Wiederaufnahme in ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung, sowie vor ambulanten Operationen oder vor ambulanter Dialyse.

Folgende Personengruppen können in Deutschland mit einem Antigen-Test getestet werden:

  • Patienten, Bewohner, Betreute und Personal von Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, für Rehabilitation, für ambulante Operationen oder ambulante Dialyse ohne COVID-19-Fall, entsprechend des Testkonzepts der Einrichtung und bei einer erhöhten 7-Tage-Inzidenz in der Region z. B. mehr als 50 Personen pro 100.000.
  • Personal von Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Praxen weiterer humanmedizinischer Heilberufe ohne COVID-19-Fall, entsprechend des Testkonzepts der Einrichtung und bei einer erhöhten 7-Tage Inzidenz in der Region mit z. B. mehr als 50 Personen pro 100.000.
  • Besucher von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unmittelbar vor dem Besuch der Einrichtung, wenn sie aus einer Region mit einer erhöhten 7-Tage-Inzidenz, wie z. B. mehr als 50 Personen pro 100.000 kommen.

Bei Einreise nach Deutschland können folgende Personen mit einem PCR oder einem Antigen-Test getestet werden:

  • Personen, die von einer Reise aus einem Risikogebiet zurückkehren. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist muss einen Test auf das neuartige Coronavirus machen oder ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist, vorlegen. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 8. November 2020. Reisende aus Risikogebieten erhalten im Flugzeug, Bus, Schiff oder Bahn Aussteigekarten, damit Infektionsketten besser nachvollzogen werden können. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes haben auch Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten Anspruch auf einen PCR-Test oder Antigen-Test.

Wenn Sie sich testen lassen gilt: Solange Sie auf ihr Testergebnis warten, müssen Sie sich auf direktem Weg nach Hause oder eine andere geeignete Unterkunft begeben und dort bleiben, bis das Ergebnis vorliegt (weitere Informationen dazu finden Sie hier). 

Die Durchführung einer Testung erfolgt gemäß Coronavirus-Testverordnung auf Grundlage einer Entscheidung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt, den öffentlichen Gesundheitsdienst oder den in der Verordnung benannten Einrichtungen und Unternehmen (bspw. Pflegeeinrichtungen im Rahmen eines einrichtungsbezogenen Testkonzepts).

Wie Sie bei einem Verdacht auf eine Infektion vorgehen sollten 

Bitte lassen Sie sich testen – eine frühzeitige medizinische Betreuung ist mit einem besseren Krankheitsverlauf verbunden. Außerdem können Sie so dazu beitragen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Für einen Test sind keine schweren Symptome erforderlich, leichte Symptome eines Atemwegsinfekts genügen. Haben Sie den Verdacht, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu sein, begeben Sie sich nicht unangemeldet zu einer Ärztin oder einem Arzt. Dort könnten Sie weitere Menschen anstecken. Besprechen Sie das Vorgehen zunächst telefonisch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Oder wenden Sie sich außerhalb der Sprechstunden an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweit geltenden Telefonnummer 116 117. Die Hausärztin bzw. der Hausarzt oder der Bereitschaftsdienst werden Ihnen – sofern ein Test erforderlich ist – mitteilen, wo der Test durchgeführt werden kann. Möglicherweise kann auch ein mobiler Test veranlasst werden, der bei Ihnen zuhause durchgeführt werden kann. In Notfällen, z. B. bei starker Atemnot, wählen Sie die 112. Falls Sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten, wenden Sie sich auch ohne dass Symptome vorliegen an das zuständige Gesundheitsamt, das nach einer individuellen Befragung die weiteren Maßnahmen festlegen wird. 

Wie ein Test zum Nachweis von SARS-CoV-2 abläuft 

Zunächst muss bei den Betroffenen ein Abstrich gemacht werden. Die Viren vermehren sich in den Schleimhäuten im Nasen-/Rachenraum. Daher wird mit einem speziellen Tupfer an der Rachenhinterwand abgestrichen. Bei schwereren Verläufen kann auch Sekret aus den tiefen Atemwegen entnommen werden. 

Zurzeit stehen zwei Testverfahren für den Nachweis von SARS-CoV-2 zur Verfügung: die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und der Antigen-Test.

Die PCR-Testung ist ein Standardverfahren in der Diagnostik von Viren, das automatisiert werden kann. Dafür müssen die Proben nach dem Abstrich so schnell wie möglich in ein Labor transportiert werden. Bei der PCR wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt. Das Testverfahren nimmt derzeit etwa vier bis fünf Stunden in Anspruch. Hinzu kommt die Transportzeit ins Labor, die Vorbereitungszeit im Labor und gegebenenfalls eine Wartezeit wegen eines hohen Probeaufkommens. 

Antigen-Tests, die Eiweißstrukturen von SARS-CoV-2 nachweisen, funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie Schwangerschaftstests. Dazu wird eine Probe von einem Nasen- Rachen-Abstrich auf einen Teststreifen gegeben. Falls das SARS-CoV-2 Virus in der Probe enthalten ist, reagieren die Eiweißbestandteile des Virus mit dem Teststreifen und eine Verfärbung auf dem Teststreifen wird sichtbar. Vorteile von Antigen-Tests sind die vergleichsweise geringen Kosten und das zeitnahe Testergebnis (in weniger als 30 Minuten). Die leichte Handhabung eines Point-of-care (PoC)-Antigen-Tests erlaubt die Testung auch außerhalb eines Labors, z.B. in einer Pflegeeinrichtung oder medizinischen Einrichtungen und Arztpraxen ohne Diagnostiklabor. Hier kann ein PoC-Antigentest helfen, asymptomatische, möglicherweise infektiöse Personen leicht zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. vorübergehende häusliche Isolierung, die Übertragung des Virus zu verhindern. Generell sind Antigen-Tests weniger sensitiv als der PCR-Test, es ist also eine größere Virusmenge notwendig, damit ein Antigen-Test ein positives Ergebnis zeigt. Das bedeutet, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht ausschließt. Außerdem ist ein Antigen-Schnelltest nicht so spezifisch wie ein PCR-Test, das heißt es kommt häufiger als bei der PCR vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, wenn die Person gar nicht infiziert ist. Deshalb muss ein positives Antigen-Test Ergebnis mittels PCR bestätigt werden. 

Prof. Dr. Drosten erklärt: Test auf das Coronavirus