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Erfahrungsberichte
15:06 · 11. Dezember 2020

Anton, 11, aus Crawinkel

Der Schüler aus Thüringen steckte sich an ‒ und wurde dafür gehänselt. Ein Lesetext für Kinder.

Anton, 11, aus Crawinkel /

„Sie riefen: ‚Ey, Du hast Corona – 2000 Meter Abstand‘“

Ich hatte mich echt gefreut, wieder zur Schule gehen zu dürfen. In der Quarantäne haben mir meine Freunde gefehlt, dann hatte ich auch noch Zockverbot, außerdem hasse ich Homeschooling. Aber als ich dann den Schulhof betrat, wäre ich am liebsten sofort wieder umgedreht. 

„Ey, Du hast Corona, 2000 Meter Abstand“, riefen ein paar Jungs aus meiner Klasse mir entgegen. Mädchen kamen zu mir und trösteten mich: „Lass Dich ja nicht ärgern“. Aber die Doofies machten einfach weiter. Ich fühlte mich ganz blöd, wie ein Außenseiter. Nur weil ich krank gewesen war. 

Ich dachte immer, Corona ist ganz weit weg. Aber dann, irgendwann im März, kam Papa mit ganz vielen Einkäufen nach Hause – falls die Läden zu machen, hat er gesagt. Er hatte sogar eine große Packung Reis eingekauft, obwohl er eigentlich keinen Reis mag. Da dachte ich schon: oh, oh. 

Und plötzlich war Corona dann da: Papa hatte sich bei einem Kollegen angesteckt. Mama und ich sind dann auch krank geworden. Es war zum Glück nicht so schlimm. Ich habe ein paar Tage lang nichts geschmeckt, außerdem fiel mir das Atmen schwer. Ich dachte immer, da liegt ein Stein auf meiner Brust.

“Ich dachte, da liegt ein Stein auf meiner Brust”

Viel blöder war für mich, nicht raus zu dürfen und niemanden zu treffen. In den ersten Tagen haben viele meiner Freunde und Mitschüler angerufen oder mich angetextet. Sie wollten wissen, wie es mir geht, ob Corona wehtut. Das fand ich nett. Ich hatte darum nicht damit gerechnet, dass einige aus meiner Klasse so blöd zu mir sein könnten. 

Zum Glück war immer jemand da, mit dem ich darüber sprechen konnte – in der Schule und zu Hause. 

Denn die Hänseleien hörten nicht auf. Die Jungs gingen immer auf Abstand und nannten das Virus „Cor-Anton-Virus“. Einmal spuckten sie sogar auf den Boden neben mich. Zum Glück hat das meine Lehrerin mitbekommen und gesagt, dass ihr das gar nicht gefällt. Und dass die Jungs nachsitzen müssen, wenn sie damit nicht aufhören. Hat aber nichts gebracht. 

„Vielleicht sind sie neidisch, weil ich schon alles hinter mir habe“

Es gab Tage, da machte mir das nichts, da dachte ich nur: Bei denen tickt’s wohl nicht richtig. An anderen Tagen fand ich ihre Sprüche einfach nur gemein. Zum Glück war immer jemand da, mit dem ich darüber sprechen konnte – in der Schule und zu Hause. 

Warum die Jungs aus meiner Klasse diesen Schwachsinn machen? Mama hat mir erklärt, dass sie vielleicht Angst vor dem Virus haben, das aber nicht zugeben wollen – und darum starke Typen spielen. Vielleicht sind sie auch nur neidisch, weil ich schon alles hinter mir habe und nun hoffentlich immun bin. 

Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich Borussia Dortmund mag und sie den FC Bayern.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Anton ist mit elf Jahren jung an COVID-19 erkrankt. Sein Vater steckte sich bei einem Freund an und infizierte bald darauf die ganze Familie. Heute geht es Anton wieder gut, aber die Krankheit machte ihm Angst. In der Schule traf er nach seiner Erkrankung stellenweise auf Ablehnung. Die Rolle von Schulen in der Verbreitung des Virus wird in wissenschaftlichen Studien erforscht. In Deutschland entwickelten sich die Ansteckungszahlen in Schulen im November 2020 ähnlich wie im Rest der Gesellschaft.

Robert Koch-Institut
Logo - Rober Koch Institut

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