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13:30 · 4. Dezember 2020

Bianca, 34, aus Berlin

Sie hat Multiple Sklerose - und fühlt sich seit ihrer Corona-Infektion oft sehr erschöpft.

Bianca, 34, Berlin

„Ich bin oft völlig erschlagen“

Seit ihrer Corona-Infektion fühlt sich Bianca, 34, aus Berlin immer wieder sehr erschöpft. Das Gefühl macht ihr Angst. Sie hat Multiple Sklerose und ist im achten Monat schwanger.

Ich wusste, wie gefährlich das Virus ist

Ich arbeite als Fakten-Checkerin bei einem gemeinnützigen Recherchezentrum. Deshalb beschäftige ich mich schon seit Januar mit Corona. Zunächst habe ich zu den Ausbrüchen in China recherchiert, später viele Desinformationen rund um Covid-19 überprüft. Ich wusste, wie gefährlich das Virus ist. Wie genau ich mich angesteckt habe, weiß ich trotzdem nicht. 

Mitte März war da zuerst nur ein trockener Husten, dann habe ich mich schlapp gefühlt und meine Muskeln schmerzten, später tat mir auch die Lunge weh. Ich bin niemand, der schnell in Panik verfällt. Aber als ich mir einen Erkältungstee kochte und plötzlich nichts roch, nicht mal den Anis, bekam ich Angst. Denn ich bin Risikopatientin und habe seit acht Jahren Multiple Sklerose. 

Medikamente können die Immunabwehr schwächen

Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des Nervensystems und nicht heilbar. Mit Medikamenten lässt sich ein Teil der Krankheitsschübe allerdings verringern und das Fortschreiten verlangsamen. Ich habe bis jetzt Glück gehabt. Die Symptome meiner Schübe haben sich immer vollständig zurückentwickelt und ich führe ein ganz normales Leben. Damit das so bleibt, nehme ich Medikamente, die mir helfen, aber zugleich die Immunabwehr unterdrücken. Im März konnte noch niemand absehen, ob es da einen Zusammenhang zu COVID-19 gibt. Also hieß es: Testen! Der Test war positiv. Das Gesundheitsamt verhängte Quarantäne für meinen Mann und mich. Er wurde auch krank, zum Glück nicht schwer. In der Quarantäne bin ich dann schwanger geworden.

Meine offensichtlichen Corona-Beschwerden klangen bald wieder ab. Seit der Infektion fühle ich mich allerdings immer wieder erschöpft. Durch meine chronische Erkrankung kenne ich das Gefühl schon, aber es kam früher nicht so häufig. Jetzt bin ich oft völlig erschlagen, muss mich tagsüber hinlegen, kann mich nicht lange konzentrieren. Schließlich hat mir mein Arzt ein partielles Beschäftigungsverbot erteilt.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Bianca hat Multiple Sklerose. Menschen mit Grunderkrankungen sind besonders gefährdet. Da manche Medikamente gegen MS das Immunsystem unterdrücken, sind sie besonders anfällig für ansteckende Krankheiten. Das erfordert schon zu Nicht-Corona-Zeiten besondere Vorsicht. Menschen wie Bianca sind besonders auf wirksame Impfungen angewiesen. Bianca ist erst während der Quarantäne schwanger geworden – ihr Kind sollte von der Infektion also nichts mitbekommen haben. Weiterführende Informationen zu Risikogruppen finden Sie hier.

Robert Koch-Institut
Projektgruppe Wissenschaftskommunikation
Logo - Rober Koch Institut

 „Ich will nicht die erste Deutsche sein, die sich ein zweites Mal ansteckt“

Liegt die Erschöpfung einfach an meiner Schwangerschaft? Oder an Corona? Ich weiß es nicht. Weil meine Schwangerschaft durch die Multiple Sklerose ohnehin als riskant gilt, werden sehr viele Tests durchgeführt. Alle waren bisher unauffällig. Die Corona-Infektion scheint für das Kind keine Folgen zu haben. Bisher entwickelt sich unsere Tochter sehr gut. 

Auch wenn die Ärzte mich beruhigen und ich mich ja schon infiziert habe, gebe ich sehr auf mich Acht. Ich halte alle Abstands- und Hygieneregeln ein. Auch wenn das bedeutet, dass ich so nur wenig  Kontakt zu anderen Schwangeren oder jungen Müttern haben kann. Das hatte ich mir doch anders vorgestellt!

Aber: Ich will nicht die erste Deutsche sein, die sich ein zweites Mal ansteckt. Noch dazu hochschwanger.

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