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Erfahrungsberichte
14:47 Uhr · 23. Dezember 2020

Carsten, 53, aus Buckenhof in Bayern

Der Ingenieur fühlt sich während der Krankheit oft wie ein Aussätziger. Aber er erlebt auch viel Hilfsbereitschaft.

Carsten, 53, aus Buckenhof in Bayern /
Illustration: Neele Jacobi, tactile.news

“Meine Frau fand mich bewusstlos”

Die Krankheit kam plötzlich und heftig. Ich hatte noch mit einer Kollegin zu Mittag gegessen, ohne mich anders zu fühlen als sonst. Am Nachmittag bekam ich auf einmal hohes Fieber, bis 40 Grad. Zugleich geriet mein Kreislauf durcheinander, mein Blutdruck sackte immer wieder ab, mir wurde übel. Auf dem Weg ins Bad brach ich dann zusammen. 

Meine Frau hörte es poltern und fand mich bewusstlos vor der Badezimmertür. Nach fünf Minuten kam ich wieder zu mir. Eine Ambulanz fuhr mich ins Krankenhaus, wo ein Corona-Test gemacht wurde. Das Ergebnis: positiv. Zum Glück fühlte ich mich bald etwas besser. Wir haben uns zu Hause in Quarantäne begeben: meine Frau, meine vier Kinder, unser Hund und ich. 

“Es ging für mich gut aus”

Freunde, die nicht weit entfernt wohnen, versorgten uns mit frischen Lebensmitteln. Alle paar Tage stand eine große Kiste vor der Tür. Das war mehr als wir essen konnten. Zwei andere Nachbarn, die ich bis dahin nur flüchtig vom Gassigehen kannte, boten an, täglich unseren Hund auszuführen. Wir durften ja nicht einmal dafür raus. Ich war gerührt von dieser Hilfsbereitschaft. 

„Es steckt doch viel Gutes in den Menschen“, dachte ich in dieser Zeit öfter mal. Und ich grübelte voll Sorge, wen ich in den zwei Tagen vor Ausbruch meiner Krankheit alles getroffen und womöglich angesteckt haben könnte. Kollegen, Freunde, die Menschen, mit denen ich Kontakt hatte, informierte ich. 

Bald stellte sich heraus, dass ich in der noch symptomfreien, aber schon hoch infektiösen Zeit das Virus an niemanden weitergegeben hatte. Auch meine Familie blieb gesund. Meine Beschwerden ließen rasch nach, verschwanden schließlich und ich war froh, dass alles so glimpflich verlaufen war.

Manche gehen sehr auf Abstand, sobald ich erwähne, dass ich das Coronavirus gehabt habe.

“Ich überlege mir inzwischen gut, wem gegenüber ich meine überstandene Krankheit erwähne.”

Anfangs erzählte ich vielen von meiner Erfahrung, um sie zu beruhigen. Doch manche gehen sehr auf Abstand, sobald ich erwähne, dass ich das Coronavirus gehabt habe. Ich fühle mich dann jedesmal ein bisschen wie ein Aussätziger. Dabei geht von mir wahrscheinlich doch weniger Ansteckungsgefahr aus als von jedem, den das Virus noch nicht erreicht hat. Inzwischen überlege ich mir gut, wem gegenüber ich meine überstandene Krankheit erwähne. 

Gleichzeitig beobachte ich, wie andere Menschen sich leichtsinnig verhalten und die Regeln nicht einhalten. Mich ärgert das. Schließlich weiß man oft nicht, wer zu einer Risikogruppe zählt, wer Kontakt zu Risikogruppen hat oder vorerkrankt ist. Viele Menschen wissen ja noch nicht einmal von ihren eigenen Vorerkrankungen. 

Ich wünsche mir, einige Leute wären im Umgang mit dem Virus vernünftiger ‒ und andere wiederum etwas gelassener. Schließlich können wir die Corona-Krise nur alle zusammen meistern. Das gilt ja besonders jetzt, zu Weihnachten.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Carsten ärgert sich über die Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Die Kontakte, die über den eigenen Haushalt hinausgehen, müssen eingeschränkt werden. Wenn sich Menschen mit wenigen anderen treffen, entsteht ein enger Kreis, ob aus Familie oder Freunden. Solch ein enger Kreis von Kontaktpersonen erschwert die COVID-19-Übertragung. Nur wenn der Kreis durchbrochen wird, kann sich das Virus verbreiten. Die Kreise nicht zu mischen, ist gerade über die Festtage und auch für die Zeit danach wichtig.

Robert Koch-Institut

Enge Kontaktkreise erschweren COVID-19-Übertragung

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