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Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
10:31 Uhr · 18. Januar 2021

Eren, 18, aus Meerbusch

Der Schüler infizierte sich und seine Familie mit dem neuartigen Coronavirus. Angst hatte er aber nicht um sich - sondern um seinen chronisch kranken Vater.

„Würde mein Vater eine Infektion so gut überstehen wie ich?“

Vor einigen Wochen habe ich mich mit meinen besten Freunden getroffen, ein ganzes Wochenende haben wir zusammen verbracht. Keiner war krank, keiner dachte ernsthaft an das Coronavirus. Und Angst davor hatten wir ja auch nicht – schließlich sind wir jung. Wir hatten richtig Spaß. Bis wir uns trennten und alle zu unseren Familien fuhren. 

Nach und nach wurden wir alle krank. Bei mir waren es nur Halsschmerzen und Schnupfen, ein bisschen also wie eine Erkältung. Als der Erste von uns einen positiven Corona-Test hatte, wurde uns anderen mulmig. Richtig Sorgen gemacht habe ich mir aber erst, als mein Vater zu husten begann.

Mein Vater Selçuk ist 46 Jahre alt - also noch nicht so alt, dass er einer gefährdeten Gruppe angehört. Aber er leidet unter Morbus Bechterew, einer rheumatischen Erkrankung der Wirbelsäule und des Beckens. Weil ich wusste, dass chronisch kranke Menschen ein höheres Risiko haben, schwer an COVID-19 zu erkranken, wurde ich ängstlich. Würde er eine Infektion so gut überstehen wie ich?

„Der ganze Körper hat ihm wehgetan“

Schließlich wurden wir alle positiv getestet. Auch meine Mutter und mein 13-jähriger Bruder wurden krank. Sie hatten leichtes Fieber und Husten. Beiden ging es nicht so schlecht wie meinem Vater. Wegen der Corona-Infektion durfte er die Medikamente gegen seine chronische Krankheit nicht einnehmen. Deshalb hat ihm der ganze Körper wehgetan. Und etwa drei Wochen lang war er sehr erschöpft.

Ich hatte vor allem Angst um ihn, als einer meiner Freunde erzählte, dass er auch seinen Vater angesteckt habe und der nun ins Krankenhaus müsse. Was, wenn das auch meinem Vater passieren würde? Zum Glück ging es ihm bald besser. Und er war auch nie sauer auf mich, dass ich ihn angesteckt habe. Auch meine Mutter hat mir das nie vorgeworfen. Nur ich mir selbst, ein bisschen. 

„Heute würde ich mich nicht mehr mit Freunden aus mehreren Haushalten treffen“

Weil mein Bruder und ich mehrere Wochen nicht in die Schule gehen konnten, wurde uns zuhause irgendwann ganz schön langweilig. Was soll man auch machen, wenn man nicht raus darf und seine Freunde nicht treffen kann? Zurück in der Schule mussten wir dann den ganzen Stoff nachholen, den wir verpasst hatten. Das war ziemlich anstrengend.

Heute würde ich mich nicht mehr mit Freunden aus mehreren Haushalten treffen. Ich hab ja selbst erlebt, wie gefährlich so etwas werden kann. Vielleicht nicht für uns Jüngere, aber für unsere Familien. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Eren hat sich in der zweiten Infektionswelle bei einem Treffen mit seinen Freunden angesteckt. Damit drang COVID-19 in seinen engen Kreis ein; die ganze Familie steckte sich an. In der zweiten Welle nahmen die Fallzahlen zuerst in den jüngeren Altersgruppen zu, ab Woche 41 auch in den älteren Altersgruppen. Aktuell ist in allen Altersgruppen ein Anstieg der Inzidenzen zu beobachten. An Erens Fall zeigen sich auch die Frage nach Schuld und die Angst um die eigenen Angehörigen. Beides geht oft mit den medizinischen Symptomen einher, die COVID-19 mit sich bringt. Viele Infizierte berichten davon.

Robert Koch-Institut

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