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Erfahrungsberichte
15:06 · 2. Februar 2021

Lasse, 36, aus Braunschweig

Als der Pressesprecher an COVID-19 erkrankte, sorgte er sich wenig um sich selbst - aber um die Beziehung zu seinem kleinen Sohn.

Lasse, 36, aus Braunschweig

“Von diesem Gefühl möchte ich meinem Sohn erzählen”

Sollte mich mein kleiner Sohn in ein paar Jahren nach der Corona-Pandemie fragen, werde ich ihm von einem bestimmten Tag im April 2020 erzählen. Fast vier Wochen lang war ich kein einziges Mal draußen. Fast vier Wochen lang konnte ich die Welt nur durch die Fenster betrachten, konnte sie nicht anfassen, nicht riechen. 

An diesem Tag im April trat ich zum ersten Mal wieder vor die Haustür und ging durch den Park. Es regnete. Nie zuvor hatte sich Regen so schön angefühlt! 

Endlich konnte ich die Welt wieder am eigenen Leib spüren. Von diesem Glücksgefühl möchte ich meinem Sohn eines Tages erzählen! Und auch davon, wie schnell es verloren gehen kann: Ich habe mich in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert. Wie jedes Jahr bin ich dort mit Freunden Ski gefahren, habe Party gemacht. Dann ging es los. 

“Ich bekam Angst”

Im Stundentakt prasselten Nachrichten auf uns ein. Ich bekam Angst. Und dachte an meinen 2-jährigen Sohn. Schnell reiste ich ab, noch ging es mir gut. Aber auf der Reise bekam ich Schüttelfrost, bald fühlte ich mich fiebrig. Ich schrieb meiner Mutter, denn ich lebe allein: Kannst Du mir bitte Lebensmittel vor die Tür stellen?

Zuhause isolierte ich mich. Ein Arzt kam, um mich zu testen. Positiv. So wie die meisten meiner Freunde, mit denen ich in Ischgl gewesen war. Zum Fieber kamen weitere Symptome hinzu, trockenes Husten etwa. Ich konnte auch nichts mehr riechen oder schmecken. Es ging mir schlecht, aber ich konnte es aushalten. 

„Was, wenn mein Sohn mich vergisst?“

Um mich hatte ich wenig Angst, doch ich machte mir Sorgen um meinen Sohn: Was, wenn er mich vergisst? Was, wenn er mich nach Wochen der Krankheit nicht mehr erkennt? Er wohnt bei seiner Mutter, 180 Kilometer von mir entfernt. Normalerweise besuche ich ihn oft. Doch nun musste ich ihm fern bleiben, wochenlang.

Mit einem Zweijährigen kann man nicht einfach nur telefonieren, kann nicht erklären, warum man über Wochen nicht da ist. Ich habe ihm einen Kuchen geschickt und auf Postkarten geschrieben, dass ich ihn sehr vermisse und oft an ihn denke.  

Nach 3 Monaten war es endlich wieder so weit: Wir sahen uns wieder. Was für eine Erleichterung! Er rief: “Da ist Papa!” 

Das sagt das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Lasse ist direkt nach seiner Rückkehr aus Ischgl in Isolation gegangen. So hat er verhindert, andere anzustecken. Alle Personen, die mit Lasse in Kontakt waren, mussten sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Anfang März hatten sich im Skiurlaub in Ischgl mehr als 600 Personen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert und ihn anschließend in ihre Heimatländer getragen. Im Nachhinein konnten mehrere Tausend Infektionsfälle mit Ischgl in Verbindung gebracht werden. Um solche Superspreading-Ereignisse zu verhindern, gibt es einfache Lösungen: es darf nicht zu Menschenansammlungen kommen und die AHA+L-Regeln müssen eingehalten werden.

Robert Koch-Institut

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