Sprache wählen

Deutsch

Eine Seite des Bundesministeriums f. Gesundheit

Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
11:00 · 18. Januar 2021

Sigmar und Gabriele, beide 79, Berlin

Das Ehepaar erkrankt im Frühjahr an COVID-19. Sie erleben, wie unterschiedlich die Krankheit verlaufen kann.

“Ich habe mich so um ihn gekümmert, ich musste mich anstecken”

Gabriele: Mein Mann erinnert sich nicht so richtig an diese Zeit. Er lag im Bett, konnte nicht aufstehen, wollte nichts essen. Es ging ihm ziemlich schlecht, aber wir ahnten nicht, dass er Corona hatte. 

Sigmar: Ich weiß noch, ich hatte Fieber und Durchfall. Das habe ich allerdings häufiger wegen meiner Vorerkrankung, einer speziellen Nierenerkrankung. Die erste Nierentransplantation hatte ich 1996, die zweite 2014. Ich bin mindestens einmal im Jahr in der Notaufnahme wegen einer Entzündung und werde mit Antibiotikum behandelt. Meist ist es nach ein paar Tagen ausgestanden. Dieses Mal dauerte es aber länger.

Gabriele: Und ich dachte lange: Wenn er ins Krankenhaus kommt, ist er in großer Gefahr wegen seiner Vorerkrankung. Wir hatten Angst, er könnte dort Corona bekommen. Deswegen sind wir zuhause geblieben, und ich habe ihn gepflegt. Ein befreundeter Arzt hat uns ein Rezept für ein Antibiotikum gegeben, aber es schlug nicht an. Natürlich nicht, Antibiotika helfen nicht gegen Viren. Irgendwann ging es nicht mehr. Nach zehn Tagen habe ich aufgegeben und den Notdienst gerufen. Mein Mann kam ins Krankenhaus, ich durfte nicht mit.

“Ich dachte: Das war’s”

Sigmar: Im Krankenhaus haben sie einen Abstrich gemacht. Um den 23. März herum bekam ich das positive Testergebnis. Ich weiß noch ganz genau, wie ich dachte: Das war’s. Ich bin in einem Alter, da ist es nicht ungewöhnlich, wenn einen das Zeitliche segnet.

Gabriele: Als er mich anrief, habe ich nicht viel zu ihm gesagt, nur: Wir müssen abwarten.

Sigmar: Ich habe sehr viel geschlafen, an mehr kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß, dass ich in einer Art Isolierzimmer lag. Die Pfleger kamen völlig vermummt und haben Essen gebracht. Über einen Bildschirm habe ich mit einer Ärztin gesprochen. Sie hat mich darüber aufgeklärt, dass sie sich wegen meiner Vorerkrankung mit anderen Spezialisten berät. Sie haben dann eines meiner Immunsuppressiva abgesetzt, um mein eigenes Immunsystem zu stärken. Das hat wohl geholfen.

Gabriele: Ich wurde sicherheitshalber auch getestet. Ich habe mich bei meinem Mann angesteckt. Wir haben hier so eng aufeinander gelebt, ich habe mich so um ihn gekümmert, das konnte gar nicht anders sein. Ich habe nicht viel gemerkt. Vielleicht habe ich auch einige Symptome weggeschoben. Mein Hauptproblem war die Sorge um meinen Mann. Ich war zuhause in Quarantäne, mein Mann im Krankenhaus. Das war für mich eine sehr unangenehme Zeit. Er war am Telefon nicht sehr gesprächig. Ich habe öfter im Schwesternzimmer angerufen, die waren sehr reizend. Das hat mich getröstet. Aber ich war auch misstrauisch, ob sie mir ehrlich sagen, wie es ihm geht.

“Die Ärztin sagte: Wir hätten nicht gedacht, dass Sie das schaffen”

Sigmar: Mir war nicht bewusst, dass meine Frau auch krank war. Das habe ich erst später zuhause erfahren. Sie benahm sich am Telefon so wie immer, insofern sah ich keinen Anlass, mir Sorgen zu machen.

Gabriele: Als mein Mann aus dem Krankenhaus kam, war er in einem sehr elenden Zustand. Ich habe vom Balkon aus beobachtet, wie er aus dem Auto stieg. Er hatte sehr abgenommen. Ich habe mich dann darum gekümmert, dass er wieder auf die Beine kommt, ihn sozusagen aufgepäppelt. 

Sigmar: Nach ein paar Wochen war ich zu einer Untersuchung in der nephrologischen Ambulanz in der Charité. Eine Ärztin sagte zu mir: „Wir hätten nicht gedacht, dass Sie das schaffen.“ Das ist mir nochmal passiert, bei einem anderen Arzt. Aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, dass ich noch am Leben bin. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Sigmar und Gabriele Röhr sind fast 80 Jahre alt und gehören damit zur Risikogruppe, denn für alte Menschen ist COVID-19 besonders gefährlich. Die meisten Todesfälle treten in dieser Altersgruppe auf. Über 80-jährige können sich deshalb als eine der ersten Gruppen impfen lassen. Klassische Grippe-Impfstoffe bestehen oft aus Antigenen, die im Bioreaktor gezüchtet werden. Das dauert länger als die Produktion von mRNA-Impfstoffen, wie sie jetzt gegen COVID-19 genutzt werden. Diese enthalten nur das Rezept, mit dem die Zelle das Antigen selbst produzieren kann. Wichtig zu wissen: Der mRNA-Impfstoff kann unsere Gene nicht verändern.

Robert Koch-Institut

Das könnte Sie auch interessieren

Eren, 18, aus Meerbusch

Der Schüler infizierte sich und seine Familie mit dem neuartigen Coronavirus. Angst hatte er aber nicht um sich - sondern um seinen chronisch kranken Vater.

Mehr erfahren

Revan, 29, aus Düsseldorf

Vor drei Jahren floh der angehende Informatiker aus dem Irak nach Deutschland. Im Herbst 2020 infizierte er sich mit dem Coronavirus.

Mehr erfahren

Carsten, 53, aus Buckenhof in Bayern

Der Ingenieur fühlt sich während der Krankheit oft wie ein Aussätziger. Aber er erlebt auch viel Hilfsbereitschaft.

Mehr erfahren