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Erfahrungsberichte
10:48 · 22. Dezember 2020

Thomas, 53, aus Hamburg

Als die ersten Symptome auftreten, spürt der Grafik-Designer sofort: Das ist keine Erkältung, das ist Corona. Vor allem die Veränderungen der Sinne verstören ihn.

Thomas, 53, aus Hamburg /

“Ich weiß nicht, wo ich mich angesteckt habe”

Als ich Anfang März erkrankte, war das Virus noch keine Hauptnachricht in der Tagesschau. Vieles von dem, was heute fast schon Allgemeinwissen ist, war noch unbekannt. Etwa, dass das Virus nicht allein die Lunge, sondern den gesamten Körper angreift, dass es die Sinne vernebeln und die Gesundheit nachhaltig schädigen kann. Ich habe all das früh am eigenen Leib erlebt. 

Es ist eine seltsame Erfahrung, wenn das eigene Erleben der wissenschaftlichen Erkenntnis stets einen Schritt voraus ist. 

Ich weiß bis heute nicht, wo ich mich mit dem Coronavirus angesteckt habe. Vielleicht im ÖPNV? Oder infizierte mich mein Mann, der gerade aus New York heimgekehrt war? Er hatte keinerlei Symptome, konnte nur ein paar Tage lang kaum riechen und schmecken. Aber wie gesagt: Damals brachte man das noch nicht mit dem Coronavirus in Verbindung. Auch ich nicht.

“Aber dann kamen die Kopfschmerzen wieder, viel heftiger”

Meine Kopfschmerzen begannen an einem Donnerstag. Freitag war plötzlich alles wieder okay. Aber dann, Samstag, ein Rückfall. Viel heftiger. Ich spürte, dass dies etwas anderes ist als eine Erkältung. 14 Tage habe ich mich kaum aus dem Bett oder vom Sofa bewegt, so schwach war ich. 

Dazu kamen extrem schwankendes Fieber, Husten, Atemnot. Am verstörendsten aber waren die Veränderungen der Sinne: Fast jedes Nahrungsmittel ekelte mich an, schmeckte wie kurz vorm Verderben. Ich verlor acht Kilogramm. Und einmal, auf dem Weg zum Bad, sah ich mich selbst riesenhaft.

Zwei telefonische Anfragen bei Corona-Hotlines liefen ins Leere, ein Test wurde mir verweigert. Erst später bekam ich durch einen Antikörpertest beim Hausarzt Gewissheit. Zum Glück hat das Virus bei mir keine langfristigen gesundheitlichen Schäden hinterlassen. Erst vor Kurzem war ich beim Lungenfacharzt, der sagte: „Super Werte“.

“Wir können die COVID-19-Toten doch nicht wie Brötchen abzählen”

Ich habe mich früh entschieden, offen über meine Krankheit zu sprechen, zu bloggen, um zu warnen: Nehmt das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter! Glaubt der Wissenschaft! Ich hatte keinen extremen Verlauf und musste nicht ins Krankenhaus. Trotzdem war es auch für mich eine zehrende Zeit.

Ich kann jeden verstehen, der mittlerweile von der Pandemie genervt ist, den die Schutzmaßnahmen in Nöte bringen. Ich habe eine kleine Werbeagentur. Die Geschäfte gehen nicht gut in diesem Jahr, viele Aufträge sind storniert worden. Und auch ich vermisse Reisen, Konzerte, Abende in Bars. 

Aber wir können die COVID-19-Toten doch nicht wie Brötchen abzählen! Hinter jedem steht ein Schicksal. Manches ist vermeidbar, wenn wir nun vernünftig und geduldig bleiben.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Thomas berichtet, dass er sich um seine Firma Sorgen gemacht hat und es ihm psychisch nicht gut ging. So geht es vielen Betroffenen. Nur noch eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten zu haben, die meiste Zeit zu Hause zu sein und möglicherweise nicht mehr arbeiten zu können, ist eine Situation, die die Psyche sehr belastet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat Tipps und Informationen zum seelischen Wohlbefinden auf dieser Seite zusammengestellt: Informationen zur psychischen Gesundheit. (https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/psychische-gesundheit.html).

Robert Koch-Institut
Logo - Rober Koch Institut

Symptome einer Corona-Infektion

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