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17:27 · 7. Mai 2021

Long Covid – Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung

Mit zunehmender Dauer der Pandemie zeichnen sich die gesundheitlichen Schäden, die das Coronavirus anrichtet, immer deutlicher ab. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über mögliche Langzeitfolgen von COVID-19.

Immer mehr Menschen leiden unter Long-Covid

Viruserkrankungen können tückisch sein. Mitunter leiden Betroffene noch lange nach einer überstandenen Infektion unter Symptomen. Besonders bei Infektionen mit Lungenentzündungen werden grundsätzlich längere Genesungszeiten beobachtet. COVID-19 macht da keine Ausnahme, im Gegenteil. Das Coronavirus gilt als Multiorganvirus, das neben der Lunge auch in zahlreichen anderen Organen auftritt, etwa in Niere, Herz, Leber oder Gehirn. Entsprechend umfassen die bislang beobachteten Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung verschiedene Symptome.

Verschiedene Krankheitsbilder

Aufgrund der Neuartigkeit des Virus und der Krankheit gibt es bislang keine Definition für Langzeitauswirkungen und möglichen Folgeschäden einer COVID-19-Erkrankung. Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung werden daher nicht als einheitliches Phänomen betrachtet, sondern als verschiedene Krankheitsbilder beschrieben, die sowohl zeitversetzt als auch parallel in verschiedenen Ausprägungen auftreten können.

Von Atemnot bis Schwindel: Mögliche Long Covid Symptome

Rund 80 Prozent aller Erkrankten spüren wenig bis gar nichts von ihrer Corona-Infektion. In leichten Fällen dauert eine Coronavirus-Infektion etwa zwei bis drei Wochen. Bei schweren Verläufen kann die akute Krankheitsphase doppelt so lang anhalten. Nach Intensivbehandlungen lassen sich häufig organspezifische Langzeitfolgen beobachten. Manche Erkrankte entwickeln nach der akuten Erkrankung Symptome wie ständige Erschöpfung bis hin zu Luftnot, neurologischen Störungen, plötzlichem Erbrechen oder starkem Schwindel. Dieses Phänomen ist als „Long Covid“ oder auch „Post-COVID-19-Syndrom“ bekannt. Verlässliche, repräsentative Daten zum Anteil der Erkrankten mit Langzeitfolgen liegen noch nicht vor. Etwa zehn Prozent aller Erkrankten haben mit Langzeitfolgen dieser Art zu kämpfen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). 

Long Covid bei schweren Verläufen von COVID-19

Besonders häufig unter Spätfolgen leiden Patientinnen und Patienten mit einem schweren Verlauf von COVID-19. Daten aus England deuten darauf hin, dass rund 40 Prozent der schwerer Erkrankten längerfristige medizinische Unterstützung benötigen, etwa zur Verbesserung eingeschränkter Lungenfunktionen oder anderer betroffener Organe. Bei vielen Patientinnen und Patienten sind noch viele Monate nach Beginn der Symptomatik Veränderungen der Lunge erkennbar. Einer Studie zufolge wiesen 76 Prozent von rund 1.700 Patientinnen und Patienten, die während einer COVID-19-Erkrankung in Wuhan hospitalisiert waren, noch sechs Monate nach der Infektion mindestens ein Symptom auf: 63 Prozent litten unter Müdigkeit oder Muskelschwäche, 26 Prozent unter Schlafstörungen, 23 Prozent unter Depressionen oder Angststörungen. Eine deutsche Vorab-Studie kommt zu vergleichbaren Ergebnissen. Den Erfahrungsbericht einer zähen Genesung aus Deutschland finden Sie in diesem Beitrag.

Spätfolgen bei leichten COVID-19-Verläufen

Long Covid kann aber auch Patientinnen und Patienten mit leichten Verläufen betreffen – und sich durch unterschiedlichste Symptome bemerkbar machen. In diesem Bericht werden beispielsweise nachträglich auftretende Gedächtnisstörungen geschildert. Auch kann der Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns – ein typisches Symptom einer Corona-Infektion – noch lange nach der Genesung anhalten, wie dieser Beitrag zeigt. Zu den häufigsten Symptomen von Long Covid zählt die Fatigue, ein Zustand chronischer Erschöpfung, unter dem viele Genesene auch Monate nach ihrer akuten COVID-19-Erkrankung leiden (s. Infokasten).

Erste Post-COVID Ambulanzen und Selbsthilfegruppen

Die Spätsymptome von COVID-19 sind sehr unspezifisch, auch in Bezug auf bleibende Schäden, und werden aktuell noch untersucht. Gleichzeitig werden Vorkehrungen getroffen, um Betroffenen zu helfen und weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Erste Kliniken richten bereits Post-COVID-Ambulanzen ein, die sich um Patientinnen und Patienten mit Langzeitfolgen kümmern, etwa die Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik oder das Universitätsklinikum Jena. In Jena hatte fast die Hälfte der Hilfesuchenden (46 %) ihre Erkrankung ohne Hospitalisierung überstanden. Hier wurden vor allem die Long Covid -Symptome Fatigue (60 %), Depression (40 %) und kognitive Störungen (20 %) beobachtet. Das Universitätsklinikum Charité Berlin bietet eine Post-COVID-Fatigue-Sprechstunde an. Halten die Erschöpfungssymptome länger als sechs Monate an, können sich Betroffene dort zur weiteren Abklärung vorstellen. Auch Selbsthilfegruppen haben sich bereits gebildet. Einen ersten Überblick über Initiativen in Deutschland listet die Website langzeitcovid.de.

Fatigue – die schleichende Erschöpfung

Als Fatigue bezeichnet man ein Gefühl anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Oft ist Fatigue eine Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen wie Krebs oder Rheuma. Auch nach Virusinfektionen wie COVID-19 kann Fatigue auftreten. Die Ursachen sind noch nicht gut erforscht. Oft sei es nicht das Virus selbst, sondern das Immunsystem, das nach der Infektion noch nicht wieder zur Ruhe gekommen sei, heißt es auf der Website zur Post-COVID-Fatigue der Berliner Charité. Im Zweifel sollte die Hausärztin oder der Hausarzt konsultiert werden. Oft helfe die sogenannte „Schonung in der Rekonvaleszenz Phase“: Ruhe und Entspannung, ausreichend Schlaf, normaler Tag-Nacht-Rhythmus, Vermeidung von Stresssituationen. Auch Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training, Meditation oder Atemübungen seien förderlich.

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