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Psychisch stabil bleiben
08:33 · 19. August 2021

Den Zwang bewältigen

Für Menschen mit Zwangsstörungen kann die Belastung durch die Coronavirus-Pandemie sehr hoch sein. Es kostet Kraft, das veränderte Alltagsleben unter dem Druck von Zwängen zu meistern.

Es gibt viele Hilfsangebote, die Sie nutzen können

Wenn Sie zum Beispiel unter Ansteckungs- oder Kontaminationsängsten leiden, kann es nun bei realer Infektionsgefahr besonders schwer sein, sich von Wasch- oder Reinigungsritualen zu lösen. Auch, weil nun plötzlich regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren notwendige und geforderte Verhaltensweisen sind, die Sie vermutlich zuvor mühevoll zurückgehalten haben. Möglicherweise können Sie auch Ihre persönlichen Bewältigungsstrategien aufgrund von Einschränkungen im Alltag nicht mehr in der notwendigen Weise aufrechterhalten. 

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle Mut machen! Sie sind dem Geschehen nicht vollständig ausgeliefert! Vielleicht können folgende Tipps Sie dabei unterstützen, an Wege der Bewältigung anzuknüpfen und diese wirklich nicht leichte Phase gut zu überstehen:

Versuchen Sie, unangenehme Gefühle, wie Angst, Hilflosigkeit, Wut und Traurigkeit zuzulassen und so gut wie möglich anzunehmen: Diese Gefühle sind in dieser Zeit völlig normal und werden von vielen Menschen erlebt. Gefühle sind vergänglich, sie kommen und vergehen wieder. Hilfestellungen zur Bewältigung von unangenehmen Gedanken und Gefühlen finden Sie zum Beispiel hier.

Bleiben Sie achtsam im gegenwärtigen Moment. Verschaffen Sie sich Distanz zu Zwangsgedanken, in dem Sie Ihre Aufmerksamkeit stets wieder in den gegenwärtigen Moment zurückführen. Was sehe ich gerade? Wo bin ich gerade? Was höre ich im Moment? 

Entlarven Sie den Zwang, indem Sie sich bewusst machen, dass die bedrohlichen Gedanken wirklich nur Gedanken und Teil des Zwangs sind. Sie sind nicht automatisch Wahrheit. Sie werden erst dann bedrohlich, wenn Sie Ihnen Aufmerksamkeit schenken und sie als eine reale Bedrohung bewerten. Versuchen Sie aktiv, zwischen realer und irrationaler Gefahr zu unterscheiden. 

Verlieren Sie Ihre Expositionsübungen nicht aus den Augen: Sich den bedrohlichen Situationen auszusetzen ist wichtig, um wieder mehr Einfluss auf das Leben nehmen zu können. So können Sie auch erfahren, dass der Zwang Sie nicht beherrscht. Setzen Sie Ihre Expositionsübungen überall dort fort, wo Sie unter den aktuellen Bedingungen möglich sind. 

Vertrauen Sie den Hygieneempfehlungen der Expertinnen/Experten. Widerstehen Sie Ihren Impulsen zu übermäßiger, über die Empfehlungen hinausgehender Vermeidung oder zu übermäßigen Desinfektionsmaßnahmen. Vermeiden Sie zum Beispiel nicht den Kauf von Lebensmitteln aus Risikogebieten, verzichten Sie auf die Desinfektion von Lebensmittelverpackungen oder anderen Gegenständen und waschen Sie sich nicht häufiger oder ausführlicher die Hände als von Expertinnen/Experten empfohlen. Vertrauenswürdige Informationen zum Infektionsschutz und entsprechenden Hygienemaßnahmen finden Sie auf der Webseite Infektionsschutz.de.

Suchen Sie soziale Unterstützung im Familien- und Freundeskreis. Tauschen Sie sich vielleicht auch über Foren mit anderen Betroffenen und Selbsthilfegruppen aus. Über die Website www.zwaenge.de der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. erhalten Sie hierzu beispielsweise hilfreiche Informationen. 

Wenn Sie an weiteren Informationen interessiert sind, finden Sie auf dieser Website zum Beispiel auch Tipps zum Umgang mit der Angst vor Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus oder zur Bewältigung psychischer Belastungen während der Coronavirus-Pandemie.

Weiterhin stellt auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) auf ihrer Website Hilfestellungen zur Verfügung.

Informationen zu Beratungsangeboten und Hotlines bei psychischen Belastungen und Erkrankungen finden Sie auch auf dieser Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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