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Körperliche Gesundheit
12:33 Uhr · 11. Juni 2020

Viel Lüften oder gleich draußen treffen

Die Forschung vermutet, dass man sich mit dem Coronavirus auch über Aerosole infizieren kann. Im Alltag bedeutet das, dass wir für frische Luft sorgen müssen.

Bild: Getty Images / japanese girl's photo!

Forscherteams auf der ganzen Welt versuchen, die Übertragungswege des Coronavirus besser zu verstehen, um Wege zu finden, die weltweite Pandemie einzudämmen. Nach derzeitigen Erkenntnissen erfolgt die Übertragung in erster Linie über Tröpfchen, die wir beispielsweise beim Husten von uns geben. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das Virus auch über Schmierinfektion übertragen werden kann, die auftritt, wenn jemand eine mit dem Virus belastete Oberfläche berührt und sich dann mit der Hand ins Gesicht fasst. Seit Beginn der Coronavirus-Epidemie wurden immer wieder Ereignisse beobachtet, die darauf hindeuten, dass auch eine andere Form der Übertragung eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielen könnte: Die Übertragung durch Aerosole.

Aerosole sind Gemische aus Gasen und feinsten flüssigen und festen Schwebstoffen. Sie entstehen zum Beispiel beim Sprechen an den Stimmlippen und gelangen beim Ausatmen in die Umwelt. Da sie viel kleiner (unter fünf Mikrometer) und leichter als Tröpfchen sind, fallen sie nicht so schnell zu Boden und können über einen längeren Zeitraum im Raum schweben. In einer Studie mit experimentell erzeugten und mit dem neuartigen Coronavirus angereicherten Aerosolen waren vermehrungsfähige Viren bis zu drei Stunden nachweisbar. Allerdings unterscheiden sich künstlich hergestellte Feingase von Aerosolen, die beim Ausatmen freigesetzt werden.

Seit Beginn der Coronavirus-Epidemie versuchen Forscher und Forscherinnen zu ergründen, ob man sich infizieren kann, wenn man virenbeladene Aerosole einatmet. Einige Ereignisse, bei denen viele Menschen auf einmal angesteckt wurden, deuten möglicherweise darauf hin. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC untersuchte etwa ein „superspreading event“ bei Seattle. An einer zweieinhalbstündigen Chorprobe in Skagit County hatten am 10. März 61 Personen teilgenommen, darunter eine infizierte Person. 32 Sänger und Sängerinnen wurden später positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, bei 20 weiteren traten für Covid-19 typische Symptome auf, zwei Menschen starben an der Krankheit. Wie genau sich diese Menschen angesteckt haben lässt sich nicht rekonstruieren. Die CDC hält es jedoch für möglich, dass durch das Singen verbreitete Aerosole eine Ursache waren.

Berichte von Mehrfach-Infektionen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gibt es auch aus Deutschland und anderen Teilen der Welt. Situationen, in denen viele Menschen in Räumen mit wenig Luftzirkulation singen, feiern oder Sport treiben, begünstigen demnach offenbar eine Virusinfektion über Aerosole. Das können Chorproben sein, Karnevalssitzungen, Après-Ski-Partys oder Zumba-Kurse im Sportstudio.

Was bedeutet das für unseren Alltag? Lüften! Offenbar steigt das Risiko einer Aerosol-Infektion in Innenräumen, die schlecht belüftet sind und in denen die Aerosol-Konzentration über Stunden ansteigen kann. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass es Mehrfach-Infektionen durch Aerosole auch an der frischen Luft gegeben hat. Was Arbeitsmediziner und -medizinerinnen den Beschäftigten auch früher schon empfohlen haben, gilt jetzt umso mehr: Sorgen Sie im Büro durch regelmäßiges Fensteröffnen bzw. bei raumlufttechnischen Anlagen durch einen Austausch der Raumluft unter Zufuhr von Frischluft (oder durch eine entsprechende Filtrierung) für ausreichend frische Luft. Das gilt natürlich ebenso für andere Innenräume, an denen viele Menschen zusammenkommen. In Schulen etwa, in denen jetzt wieder unterrichtet wird, sind die Lehrer und Lehrerinnen zu regelmäßigem Lüften verpflichtet. Für Treffen mit Freunden, Geschäftspartnerinnen oder Angehörigen gilt diesen Sommer: Planen Sie Ihre Verabredung möglichst draußen! Das Einhalten eines Abstandes von mindestens 1,5 m wird jedoch auch im Freien empfohlen, um eine direkte Exposition gegenüber Tröpfen und Aerosolen zu minimieren.

Animation zum Thema Aerosole und Coronavirus

Informationen des RKI