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Körperliche Gesundheit
01:21 Uhr · 16. Oktober 2020

Viel und richtig Lüften: Gesund durch die kalten Jahreszeiten

Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass man sich mit dem Coronavirus auch über Aerosole infizieren kann. Im Alltag bedeutet das, dass wir für frische Luft sorgen müssen. Vor allem in den kalten Jahreszeiten kann richtiges Lüften helfen, das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion zu reduzieren.

Das Coronavirus verbreitet sich über Aerosole /
Bild: Getty Images / japanese girl's photo!

Forscherteams auf der ganzen Welt versuchen, die Übertragungswege des Coronavirus besser zu verstehen, um Wege zu finden, die weltweite Pandemie einzudämmen. Nach derzeitigen Erkenntnissen erfolgt die Übertragung in erster Linie über Tröpfchen, die wir beispielsweise beim Husten oder Sprechen von uns geben. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das Virus auch über eine Schmierinfektion übertragen werden kann, bei der Viren von einer belastete Oberfläche über die Hand ins Gesicht gelangen. Aber auch eine andere Form der Übertragung scheint eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung des Virus zu spielen: Die Übertragung durch Aerosole. 

Wie SARS-CoV-2 durch Aerosole übertragen wird

Aerosole sind Gemische aus Gasen und feinsten flüssigen und festen Schwebstoffen. Sie entstehen z. B. beim Sprechen an den Stimmlippen und gelangen beim Ausatmen in die Umwelt. Da sie viel kleiner (unter fünf Mikrometer) und leichter als Tröpfchen sind, fallen sie nicht so schnell zu Boden und können über einen längeren Zeitraum im Raum schweben. Einige Ereignisse, bei denen viele Menschen gleichzeitig angesteckt wurden, deuten darauf hin, dass SARS-CoV-2 auch über Aerosole übertragen werden kann. Berichte von Mehrfach-Infektionen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gibt es aus Deutschland und anderen Teilen der Welt. Situationen, in denen viele Menschen in Räumen mit wenig Luftzirkulation singen, feiern oder Sport treiben, begünstigen demnach offenbar eine Virusinfektion über Aerosole. Das können Chorproben sein, Karnevalssitzungen, Après-Ski-Partys oder Zumba-Kurse im Sportstudio. In einer Studie mit experimentell erzeugten und mit dem neuartigen Coronavirus angereicherten Aerosolen waren vermehrungsfähige Viren bis zu drei Stunden nachweisbar. Allerdings unterscheiden sich künstlich hergestellte Aerosole von solchen, die beim Ausatmen freigesetzt werden. 

So geht richtiges Lüften

Was bedeutet das für unseren Alltag, vor allen während Herbst- und Wintermonaten, wenn es zu kalt werden kann, um draußen zu sein? Richtiges Lüften! Offenbar steigt das Risiko einer Aerosol-Infektion in Innenräumen, die schlecht belüftet sind und in denen die Aerosol-Konzentration über Stunden ansteigen kann. Was Arbeitsmediziner und -medizinerinnen den Beschäftigten auch bisher schon empfohlen haben, gilt während Herbst- und Wintermonaten umso mehr: Sorgen Sie im Büro durch regelmäßiges Fensteröffnen für ausreichend frische Luft. Das gilt natürlich ebenso für andere Innenräume, in denen viele Menschen zusammenkommen.

Da während der kalten Jahreszeiten ein Treffen im Freien nicht immer möglich ist, sollte in geschlossenen Räumen alles dafür getan werden, das Risiko einer Infektion zu minimieren. Die Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt empfiehlt, in Innenräumen für eine möglichst hohe Zufuhr von Frischluft zu sorgen. Eine Querlüftung wird besonders empfohlen, bei der durch gegenüberliegende weit geöffnete Fenster Raumluft schnell gegen Frischluft ausgetauscht wird. Achten Sie dabei jedoch darauf, dass es durch die Lüftung nicht zu einem Gegeneffekt und zu einer Verbreitung infektiöser Aerosole kommt. 

Besonders effektiv ist eine Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster über einige Minuten Dauer. Wenn eine Person im Raum hustet oder niest, sollte am besten sofort stoßgelüftet  werden. Wenn sich viele Personen im Raum aufhalten, ist ein gekipptes Fenster kaum wirksam, auch wenn dies dauerhaft offen steht.

Bitte beachten Sie, dass regelmäßiges Lüften die anderen Schutzmaßnahmen, die in der AHA-Formel zusammengefasst sind (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken), nicht ersetzen kann. Deswegen lautet die neue Formel für die kalten Jahreszeiten AHA + L. L steht dabei für richtiges und regelmäßiges Lüften. Darüber hinaus gilt: Grenzen Sie private Feiern bitte ein und wägen Sie jeden Einzelfall kritisch ab.

Falls Sie sich doch mit Freunden, Geschäftspartnerinnen und -partnern oder Angehörigen draußen treffen, halten Sie den Abstand von mindestens 1,5 Metern ein, um eine direkte Exposition gegenüber Tröpfchen und Aerosolen zu minimieren. 

Hier finden Sie eine Animation zum Thema Aerosole und Coronavirus.

Hier gelangen Sie zu den Informationen des RKI.

Lesen Sie hier die Empfehlung der Bundesregierung zum infektionsschutzgerechten Lüften.