Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
10:54 · 22. Dezember 2020

Vanessa, 41, aus Wetter

Die Büroassistentin aus Nordrhein-Westfalen infizierte sich im März mit dem damals neuartigen Coronavirus. Seither kämpft sie mit Schwindel, Erschöpfung und Fieber.

Vanessa, 41, aus Wetter /

„Manchmal steigert sich das Kribbeln zu einem Schwindel”

 

Manchmal habe ich Ameisen im Kopf. Dann kribbelt es da so sehr, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren kann. Beim Sprechen gehen mir plötzlich die Wörter aus, ich vergesse Dinge, an die ich mich sonst immer erinnert habe. Manchmal steigert sich das Kribbeln zu einem Schwindel, der meine ganze Welt dreht. 

Noch vor einem Jahr bin ich Treppen schnell heruntergelaufen, heute halte ich mich vorsichtig am Geländer und Wänden fest, damit ich nicht stürze. Und das alles, weil ich mich im März mit dem Coronavirus infiziert habe. Zuerst hat mein siebenjähriger Sohn gehustet, dann wurde auch ich krank. 

Dass ich so schlecht Luft bekam, habe ich zuerst auf mein Asthma geschoben, eine Erkrankung der Atemwege, mit der ich geboren wurde. Aber von Tag zu Tag habe ich mich schwächer gefühlt. Dazu kam Fieber. Als ich nicht mehr essen und trinken konnte, wurde ich schließlich auf Corona getestet. 

 

“Auch neun Monate später bin ich nicht auf den Beinen”

Der Test zeigte: Das ist keine Grippe, das ist das Coronavirus. Daraufhin wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert. Dort bekam ich Sauerstoff und mein Zustand verbesserte sich allmählich. Nach drei Tagen entließen mich die Ärzte. Aber zu Hause erholte ich mich nur langsam. 

Das Fieber kehrte immer wieder zurück. Und ich fühlte mich so erledigt, dass ich kaum den Alltag bewältigen konnte. An meine Arbeit im Büro war gar nicht zu denken. Aus Tagen wurden Wochen, schließlich Monate. Bis heute, neun Monate nach der Infektion, bin ich nicht wieder auf den Beinen. 

“Und ich sage mir: Es wird besser, irgendwann.”

 

Klar, es gibt auch mal eine oder zwei gute Wochen. Dann fühle ich mich fast wie vorher. Jetzt wird es endlich besser, denke ich dann. Aber plötzlich ist alles wieder da: Fieber, Erschöpfung, Schwindel – und die Ameisen im Kopf. Ich bin deshalb immer wieder im Krankenhaus gewesen. 

Bloß keine Schwäche zeigen!

Aber die Ärzte konnten keine Ursachen für meine Beschwerden ausmachen. Gefühlt kämpfe ich mit den Folgen von Corona. Auf dem Papier bin ich völlig gesund. Auch deshalb habe ich mich in den letzten Monaten immer wieder gezwungen, so zu tun, als wäre alles normal. Bloß keine Schwäche zeigen!

Jetzt weiß ich, dass das nichts nützt. Wenn ich versuche so zu tun, als ginge es mir gut, wird es bald schlimmer. Ich versuche, damit zu leben. Und ich sage mir: Gib dir Ruhe. Es wird besser, irgendwann. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Vanessa hat sich vermutlich bei ihrem Sohn angesteckt. Obwohl sie bereits im Frühjahr akut krank war, leidet sie über ein halbes Jahr später immer noch an den Folgen der Infektion. Da das Virus so neu ist, gibt es bisher nur wenige Studienergebnisse zu den Langzeitfolgen der Erkrankung, die Long-COVID oder Post-COVID-19-Zustand genannt werden. Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen beobachten derzeit in mehreren Studien weltweit die Langzeitfolgen.

Robert Koch-Institut
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